Gerade ging die Freiluftausstellung „immer modern“ auf dem Boulevard Unter den Linden zu Ende. Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg nahm seinen 200. Geburtstag zum Anlass, um die Geschichte ausgewählter großer Straßen von Berlin zu erzählen.
Anhand der Straßen wurden die jeweiligen Ansprüche auf Modernität dargestellt. Ob die Allee Unter den Linden als eine Prachtstraße aus der Frühzeit des Absolutismus, der Kurfürstendamm nach dem Vorbild der Pariser Champs-Élysées oder die Leninallee als ein Musterbeispiel autogerechter Stadtplanung in Ost-Berlin – ihnen allen ist gemein, dass sie für eine jeweils zeitgemäße Zukunftsvision stehen. Für den zweiten Teil der Ausstellung wurden große Architekturbüros aufgefordert, aus heute „unwirtlichen Straßenräumen Große Straßen für morgen“ zu planen. Dabei sollten andere Formen der Mobilität, neue klimatische Bedingungen und nachhaltige Formen der Energiegewinnung berücksichtigt werden. Das ist diesen Büros durchaus gelungen. Zweitrangige Straßen, wie die Möllendorffstraße in Lichtenberg, wurden mit einem Entwurf von „Tchoban Voss Architekten“ und den Landschaftsarchitekt/innen von „ST raum a“ neu gedacht. Der Entwurf versteht sich als „ökologisch bewusste und sozial freundliche Ergänzung der Stadträume“. Der Schlossplatz in Köpenick wurde von „Hilmer Sattler Architekten“ entworfen. Die vierspurige Verkehrsachse in Köpenicks Zentrum wird in den Plänen revidiert und zugunsten einer Fuß- und Radwegverbindung zurückgebaut. In der Mollstraße in Mitte haben die Architekt/innen von „Graft“ den „unwirtlichen Verkehrsknotenpunkt Mollstraße/Prenzlauer Allee bis hin zum Platz der Vereinten Nationen neu definiert: Eine Wasserfläche zieht sich durch den Stadtraum, für bestehende Plattenbauten werden u. a. grüne Loggia-Fassaden und private Dachgärten vorgeschlagen.“ Die Holzmarktstraße in Friedrichshain von „Das Team Langhof“ wurde zu kleinen Biotopen in der Stadt umgebaut. Aus unbedeutenden Verkehrstrassen wurden so virtuelle Wohlfühlzonen mit hoher Aufenthaltsqualität.


