Die Wohnungskrise in Berlin spitzt sich seit Jahren immer weiter zu, und der dauerhafte Zugang zu bezahlbarem Wohnraum wird zunehmend schwieriger. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die neu nach Berlin ziehen und über ein niedriges bis mittleres Einkommen verfügen, wie etwa Studierende. Im Rahmen von Forschungen an der TU Berlin und der HafenCity Universität Hamburg untersuchten Studierende und Wissenschaftler/innen Wohnpraktiken, die als Folge dieser Krise entstanden sind. Dazu wurden 38 Interviews geführt, darunter mit neu Zugezogenen und Hauptmieter/innen, die ihre Wohnungen oder einzelne Zimmer untervermieten. Es handelte sich überwiegend um jüngere Menschen unter 40 Jahren, von denen die meisten aus dem Ausland nach Berlin gezogen waren, um zu studieren und/oder einer geregelten Arbeit nachzugehen. Das Angebot, mit dem Wohnungssuchende in Berlin konfrontiert sind, wird von befristeten Angeboten dominiert. Laut der Investitionsbank Berlin (IBB) war das Angebot an möblierten, zeitlich befristeten Wohnungen in den großen Portalen bereits im Jahr 2022 größer als das Angebot regulärer, unbefristeter Wohnungen. Bei WG-Zimmern ergibt sich ein ähnliches Bild. Im Juni 2025 wurden 58% der Zimmer auf der Plattform „WG-Gesucht“ nur befristet angeboten. In Gesundbrunnen, Wedding und Nord-Neukölln liegen die Anteile befristeter Angebote bei bis zu 69%. Für viele werden die ursprünglich als Übergangslösung gedachten befristeten Mietverhältnisse zur langfristigen Realität. Mehr als zwei Drittel der Befragten hatten seit ihrer Ankunft in drei oder mehr Wohnungen gelebt, bei einigen waren es deutlich mehr. Die Wohnungssuche wird somit zum Dauerzustand, viele beschreiben das als einen „Vollzeit-Job“, was sich erheblich auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt. Gleichzeitig ermöglichen diese Kurzzeitmietverhältnisse den Mieter/innen, selbst zu entscheiden, wo in Berlin sie leben möchten, und zumindest vorübergehend dort zu bleiben, wo sich ihr soziales und/oder berufliches Leben abspielt.
