Die Wohnungsfrage ist für Menschen zentral. Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland vielfach knapp. Gerade in Ballungsgebieten hat sich das Thema Wohnungsnot inzwischen chronifiziert. Dabei galt die Wohnungsfrage eigentlich in den 1990er Jahren in Deutschland gelöst. Doch die dynamische Bevölkerungsentwicklung, die leichtfertige Privatisierung von vormals in öffentlichem Eigentum befindlichen Wohnungen, der Verkauf von Werkswohnungen, aber auch die zunehmende Vermögensungleichheit haben dazu beigetragen, dass die Wohnungsfrage inzwischen wieder zu einem der brennendsten sozialen Themen geworden ist.
Mit seinem hohen Anteil an Mietwohnungen weist der deutsche Wohnungsmarkt im EU-Vergleich eine Besonderheit auf. Die Wohneigentumsquote liegt in Deutschland bei vergleichsweise geringen 47%. Das ist der mit Abstand niedrigste Wert in der EU. In Deutschland sind traditionell viele Menschen auf Mietwohnungen angewiesen. Wohnungsmieten sind gleichzeitig große und stetig wachsende Ausgabenposten der privaten Haushalte. Bei einem nachfragedominierten Wohnungsmarkt schnellen sie automatisch nach oben. Dazu kommt, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren kräftig anzogen – der Erwerb von Wohneigentum hat sich deutlich verteuert. Umso schlimmer ist es, dass in Deutschland viel über Wohnungsknappheit geredet, aber wenig gegen sie unternommen wird. Die Politik zeigt sich weitgehend einfallslos. Faktisch jedoch hat sie nennenswert zu der aktuellen Situation beigetragen. Die Schuldenbremse, die wie eine Investitionsverhinderung wirkt, verschärft die Situation weiter.

