Wohnungs- und Obdachlose haben keine starke Lobby. Wenn überhaupt, wird in den großen Talkshows, in der Presse oder auch in Wahlkämpfen zwar über sie, aber nicht mit ihnen geredet. Das gilt besonders für diejenigen, die ganz oder überwiegend auf der Straße leben. In Berlin wird deren Zahl auf 6–10.000 geschätzt. Die Rede ist dann von „Schandflecken“ und verwahrlosten Plätzen, Parks oder Bahnhöfen, wo es „aufzuräumen“ gelte. Und diejenigen, die man in irgendwelchen Notunterkünften, Wohnheimen, Hostels oder Behelfswohnungen untergebracht hat, oder die sich als „Couch-Surfer“ bei Bekannten durchschlagen, werden weitgehend ausgeblendet. Das sind derzeit laut offiziellen Zahlen über 50.000 in Berlin, dazu kommt eine riesige Grauzone. Und nur die wenigsten von ihnen haben eine realistische Chance, in absehbarer Zeit eine eigene Wohnung mit einem regulären Mietvertrag zu erhalten. Viele verzweifeln angesichts dieser düsteren Lebensrealität, und ergeben sich in ihr Schicksal. Doch es gibt auch betroffene Menschen, die sich damit nicht abfinden und gemeinsam mit Unterstützer/innen Öffentlichkeit schaffen wollen und gegen die herrschenden Verhältnisse kämpfen – in eigenen Vereinen, Initiativen und sogar einer Stiftung. Mit einigen haben wir uns in der Redaktion zum Gespräch getroffen. Eine von ihnen ist Janet. Die 47-jährige war selber 6 Jahre obdach- und 12 Jahre wohnungslos. Nachdem sie ihre Wohnung in Bonn verloren hatte, strandete sie während der Corona-Phase irgendwann in Berlin. Im Zuge der Besetzung des Hauses Habersaathstraße in Berlin-Mitte (an der sie nicht direkt beteiligt war) und des zähen Kampfes um die wenigstens befristete Nutzung der Wohnungen durch Obdachlose kam sie dann in Kontakt mit anderen Betroffenen. „Da habe ich dann hautnah mitbekommen, wie das hier abläuft. Da gab es intakte Wohnungen, die standen leer und sollten irgendwann luxusmodernisiert werden, damit der Besitzer mehr Kohle macht, während gleichzeitig viele tausend Menschen auf der Straße oder in Behelfsunterkünften leben müssen“, erzählt Janet.
