„Agency for better living“ lautet der Titel des österreichischen Beitrags auf der Architekturbiennale Venedig, die Anfang Mai eröffnet wurde. Die drei Kurator/innen Michael Obrist, Sabine Pollak und Lorenzo Romito stellen darin die konträren Situationen des Wohnens in Wien und Rom gegenüber. In Rom die Geschichten der Selbstermächtigung angesichts staatlichen Versagens in Form von Besetzungen leerstehender Fabriken durch Aktivistengruppen. In Wien die kontinuierliche Rundumversorgung, die die Stadt zum Vorbild für leistbares Wohnen macht, aber deren fürsorglicher Paternalismus auch eine gewisse Lethargie erzeugt. Österreich ist 2025 der einzige Biennale-Beitrag, der sich mit dem elementaren Thema Wohnbau beschäftigt. Das mag auch daran liegen, dass die Kurator/innen dieses eher elitären Events sich fast ausschließlich aus akademischen Kreisen rekrutieren, in denen entweder die Sorgen um Existenzgrundlagen weniger dringlich erscheinen oder universitäre Forschungen zu Wohnbauthemen weniger Sponsorengelder einbringen. Aus Wien war zur feierlichen Eröffnung eine sozialdemokratische Starbesetzung angereist: Vizekanzler und Wohnbau-Minister Andreas Babler, Bürgermeister Michael Ludwig, Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál, die Leitung des wohnfonds_wien, der für die Bereitstellung von Liegenschaften zuständig ist, sowie Vertreter/innen der gemeinnützigen Wohnbauträger. Man sonnte sich im Glanz des internationalen Lobs und war nur bedingt daran interessiert, sich von anderen Ländern zu neuen Ideen inspirieren zu lassen. Warum auch, könnte man sagen, wird Wien doch zu Recht als Vorbild anerkannt. Die Leistungen des „Roten Wien“ der 1920er Jahre, als dank der Wohnbausteuer 64.000 Gemeindewohnungen in hohem Standard errichtet wurden, sind elementarer Kern der Wiener Identität, und auch in den Stadtentwicklungsgebieten von heute geben sich Delegationen aus dem Ausland die Klinke in die Hand. Während der soziale Wohnbau in vielen anderen Ländern als Notversorgung der Ärmsten verstanden wird, gilt in Wien die „soziale Nachhaltigkeit“ als Prämisse: ein breites Einkommensspektrum, um Ghettoisierung und Stigmatisierung zu vermeiden.


