Derweil sterben schon heute durch den Klimawandel immer wieder Menschen. Besonders tödlich sind Hitzewellen. Die Zahl der Hitzetoten hat in weiten Teilen Europas in den letzten 20 Jahren um 30% zugenommen. Eine Studie spanischer und französischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kam zu dem Schluss, dass von Juni bis Anfang September 2022 mehr als 60.000 Menschen in Europa an der Hitze gestorben sind. Besonders betroffen waren die südeuropäischen Länder, aber auch in Deutschland gab es mehrere Tausend Hitzeopfer. Ermitteln lassen sich derartige Zahlen, indem tagesgenaue Sterbezahlen mit dem Durchschnitt der Vorjahre verglichen werden. Besonders gefährdet sind auch hier die Schwächeren und Ärmeren, Menschen, die im Freien arbeiten müssen, sowie Kinder und Alte.
Aber lässt sich der Zusammenhang mit dem Klimawandel nachweisen? Schließlich hat es auch früher Sturmfluten, Wirbelstürme, Dürren und Hitzewellen gegeben. Stimmt. Entsprechend vorsichtig sind Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, wenn sie nach einem konkreten Zusammenhang gefragt werden. Bis vor Kurzem konnten sie lediglich auf die zunehmende Häufigkeit und/oder Intensität der Ereignisse verweisen. Seit einigen Jahren gibt es aber eine Methode, mit der die Wetterdaten eines bestimmten Ereignisses mit den Ergebnissen von Modellen verglichen werden können, die das Wetter in einem Klima ohne die zusätzlichen, von Menschen erzeugten Treibhausgase simulieren. Auf diesem Wege lässt sich dann sagen, um wie vieles wahrscheinlicher eine bestimmte Hitzewelle, Dürre oder Ähnliches durch den Klimawandel geworden ist. Niederschläge wie im Juli 2021 mit den Überschwemmungen im Ahrtal sind zum Beispiel 1,2 bis neunmal wahrscheinlicher geworden, und die Wetterbedingungen, die im Januar – neben anderen Faktoren – zu den Feuern in Los Angeles geführt haben, um 35%. Die Intensität der Trockenheit und der starken Winde zur Zeit des Ausbruchs der Brände hatte um 6% zugenommen.
Im Pariser Klimaschutzvertrag, den nahezu alle Staaten unterschrieben und ratifiziert haben, und aus dem die USA gerade ausgestiegen sind, war 2015 vereinbart worden, Maßnahmen zu ergreifen, damit die globale Erwärmung möglichst nicht dauerhaft 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegt und auf jeden Fall deutlich unterhalb von zwei Grad Celsius über diesem Level bleibt. Die erste Zielmarke ist inzwischen so gut wie verfehlt. Der Januar war zum Beispiel im globalen Mittel um mehr als 1,7 Grad Celsius wärmer als die entsprechenden Monate in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Einige ziehen daraus inzwischen den Schluss, dass ohnehin alles zu spät sei. Doch Fatalismus ist unangebracht und gefährlich, denn jedes Zehntel Grad globaler Erwärmung macht die Extremwetter häufiger und intensiver, die Hitze gefährlicher, beschleunigt den Meeresspiegelanstieg noch mehr. Aber um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, braucht es internationale Zusammenarbeit. Dies setzt eine Entspannungspolitik voraus. Aufrüstung und Kriege verschärfen mittel- und unmittelbar die Klimakatastrophe. Sie binden Finanzmittel, verhindern zwischenstaatliche Vereinbarungen und tragen zum CO2-Ausstoß bei. Allein der des deutschen Militärsektors wird auf 4,5 Millionen Tonnen jährlich geschätzt.
Was genau sind eigentlich die Ursachen und wer die Übeltäter? Ausgelöst wird der Klimawandel durch verschiedene Gase, die verhindern, dass die Wärme des Planeten ungefiltert in den Weltraum abgestrahlt wird. Wie eine der Bettdecken, die uns des Nachts warm halten, legen sie sich über die Erdoberfläche und behindern die Auskühlung. Auch ohne menschliches Eingreifen ist ein Teil bereits da, hauptsächlich Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2) und Methan. Ohne sie wäre die Erde ein Eisplanet, auf dem sich vermutlich nie Leben entwickelt hätte. In den vergangenen Zehntausend Jahren, nach dem Ende der letzten Eiszeit, hatte sich ein im Verhältnis zu den vorhergehenden Jahrhunderttausenden recht stabiles Gleichgewicht eingependelt, das die natürlichen Klimaschwankungen so gering hielt, dass der Mensch sesshaft werden und Ackerbau betreiben konnte.
Doch mit dem Beginn der Industrialisierung geriet dieses Gleichgewicht zunehmend aus den Fugen. Durch Entwaldung und vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Erdgas und Erdölprodukten reichert sich das sehr langlebige CO2 in der Atmosphäre an und führt zur Erwärmung. Dadurch gelangt auch mehr Wasserdampf in die Luft, was den erwärmenden Effekt verstärkt. Hinzu kommen noch andere Gase, wie das Methan oder auch Lachgas, das bei bestimmten industriellen Prozessen sowie in der Landwirtschaft freigesetzt wird. Das größte Problem ist allerdings das CO2, weil es für mehrere Jahrtausende in der Atmosphäre verbleibt, bevor es ganz allmählich durch natürliche Prozesse wie Verwitterung von Gesteinen wieder gebunden wird. Weltweit ist dieses Gas für etwa 60% des Klimawandels verantwortlich, in Deutschland sind es sogar knapp 90%.
2023 wurden in Deutschland 600 Millionen Tonnen CO2 in die Luft geblasen, umgerechnet auf die Bevölkerung etwas über sieben Tonnen pro Kopf oder mehr als zwei Tonnen über dem globalen Durchschnitt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes kommen diese Emissionen zu 34,6% aus der Energiewirtschaft (vor allem Kraftwerke), der Verkehr hat einen Anteil von 24,3% und auf den Gebäudesektor entfallen 30%, wobei die Emissionen vor allem durch Heizen und Warmwasserbereitung entstehen.
Um den Klimawandel einzudämmen, müssen all diese Emissionen so schnell wie nur irgend möglich reduziert und schließlich ganz vermieden werden. Das ist seit rund 40 Jahren bekannt, aber geschehen ist bisher viel zu wenig. Das 2019 verabschiedete Klimaschutzgesetz sah ursprünglich für die einzelnen Sektoren jährliche Minderungsziele vor, die nach einem Verfassungsgerichtsurteil sogar verschärft wurden. Die Ampelkoalition hat diese Verbindlichkeit allerdings aus dem Gesetz gestrichen, nachdem im Verkehrs- und Gebäudesektor die Ziele wiederholt verfehlt worden waren.
Gern wird darauf verwiesen, dass „wir alle“ etwas tun müssen, aber als Mieterin oder Mieter hat man kaum Einfluss darauf, wie der Strom produziert wird – schon gar nicht der für die Industrie – und nicht darauf, wie geheizt wird oder wie gut die Wärmedämmung des Gebäudes ist.
Es müssen also politische Ansätze her, und es muss dafür gesorgt werden, dass die Lasten nicht auf die Mieterinnen und Mieter abgewälzt werden können. Technisch sind in den allermeisten Fällen Nah- und Fernwärmesysteme die sinnvollste Lösung. Diese können meist deutlich effizienter als Einzelhaushalte Umwelt-, Ab- und solare Wärme oder andere CO2-freie Energieträger einsetzen. Immerhin wird den Kommunen und Bundesländern inzwischen gesetzlich die Erstellung von Wärmeplänen vorgeschrieben. Aber statt deren Umsetzung mal wieder dem Markt zu überlassen, wäre es sicherlich besser, öffentliche, gemeinnützig arbeitende Betriebe zu gründen, mit denen sich der Preis besser kontrollieren ließe.