Im Geschäftsjahr 2024 musste die Vonovia zum dritten Mal in Folge ihre fiktionalen Immobilienwerte abschreiben. Zinsen und Kosten des hochverschuldeten Konzerns drohen in Folge von Aufrüstung und Zöllen zu steigen. Trotzdem will der Vorstand die Dividendenausschüttung um 36% auf gut eine Milliarde Euro erhöhen. Zur Rechtfertigung wird den Investoren ein neues Wachstumsmodell versprochen.
„Kein anderes Unternehmen besitzt mehr Mietwohnungen als wir. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir unser Potenzial voll ausschöpfen und als Marktführer mit neuen Perspektiven vorangehen können“, sagte Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender der Vonovia, am 19. März bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse für 2024. Die Mieter/innen erleben längst, mit welchen Methoden ihre Ausschöpfung betrieben wird: Frei erfundene Mietspiegelaufschläge und selbst geschriebene Nebenkostenrechnungen, verschleppte Reparaturen und eine abwesende Wohnungsverwaltung, digitale Kontrolle durch „Mieter-Apps“ und „Spionage-Rauchmelder“… Das neue Wachstumsmodell droht all das noch zu verschärfen. Aber auch aus Investorensicht kann bezweifelt werden, dass das in der Niedrigzinsphase finanzierbare Modell der Unternehmensaufkäufe einfach durch die intensivere Abschöpfung der zusammengerafften Plattform ersetzt werden kann. In den Jahren nach der Jahrtausendwende verscherbelten Staat, Kommunen und Industrieunternehmen über eine Million Wohnungen an die transnationale Finanzindustrie und schufen so die Vorgänger der heutigen Vonovia: Deutsche Annington, Gagfah und Deutsche Wohnen. Die Private Equity Fonds bauten ihre Eroberungen in Windeseile in hochverschuldete, aber renditeoptimierte Immobilienplattformen um. Nach Überwindung der Verbriefungskrise in den Jahren nach 2008 verscherbelten die Fonds ihre Beteiligungen gewinnbringend an der Börse. Die Kapitalflut der Niedrigzinsphase ermöglichte dann gigantische schuldenfinanzierte Übernahmen innerhalb der finanzialisierten Wohnungswirtschaft. Am Ende überlebte die Vonovia als größter Platzhirsch. Im Jahr 2021 besaß sie 565.000 Wohnungen. Sie war das größte Wohnunterunternehmen Europas. Im selben Jahr wurden 45% der bereinigten Mieteinnahmen als Dividenden ausgeschüttet. Gedeckt waren sie nur durch weitere Wachstumsversprechungen und die steigenden Mieten. Die Verschuldung pro Wohnung war binnen sieben Jahren von 31.000 auf 80.000 Euro gestiegen. Das schadete nichts – solange das Geld billig war.
