Mal ehrlich, hier blüht gar nichts. Keine prächtige Landschaft, keine bunte Geschäftswelt, kein pures, pralles Leben. Das war mal anders. Rund um den alten Brunnenplatz, mitten im Zentrum der Trabantenstadt Märkisches Viertel (MV) in Reinickendorf. Vom einstigen vitalen Treiben ist nichts mehr übrig. Stattdessen ist das Areal nach dem Abriss Anfang der 2020er Jahre umzäunt, mit geschlossenen Bauzäunen aus verzinktem Stahlblech; um den Blick auf eine Baugrube samt Sandhügel zu verstellen. Großspurig waren hingegen die Ankündigungen des Hauptinvestors Chayne Capital Deutschland GmbH, dessen Firmenmutter in London sitzt. Entsprechend aufwendig sind die 3D-Animationen und Imagevideos des Kooperationspartners Kintyre gestaltet — eines „Full-Service Immobilienmanagers“ mit Hauptsitz in Frankfurt/Main, der zu den zehn größten Shopping-Center-Betreibern hierzulande zählt. Und bereits 2024 sollte eigentlich alles neu und schick sein: ein „Märkisches Quartier“ als örtliche Flaniermeile mit Konsumtempel. Nur, für ein solches Projekt gibt es in der 40.000-Einwohner-Hochhaussiedlung mit einer Bewohnerschaft, die vergleichsweise wenig Kaufkraft hat, keinen Bedarf. Das fiel irgendwann auch dem Investor und dem Bauherren auf. Aus dem Vorzeigeprojekt einer aus dem märkischen Sand gestampften Mall wurde nichts. Die Brache wurde allmählich von Pflanzen wie Schafgarbe, Vogelmiere und Weidenröschen überwuchert. Im Februar dieses Jahres äußerten sich die Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) und die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Korinna Stephan (Grüne), zu der Misere. Die ursprünglich genehmigte Bauplanung hätten Investor und Bauherr verworfen – aufgrund „veränderter Marktbedingungen“. Denn die Zeiten riesiger Einkaufszentren mit ausgedehnten Verkaufsflächen seien vorbei, weshalb das Konzept nun stärker auf Wohnnutzung ausgerichtet würde.
