Die Mieter/innen der Jagowstraße 35 in Berlin-Moabit leisten seit Jahren Widerstand gegen die Verdrängung durch geplante Luxussanierungen und Neubauten. Neben den juristischen, baurechtlichen und sozialen Konflikten gibt es aktuelle Entwicklungen, die den Druck auf die Bewohner/innen zusätzlich verschärfen.
Ein besonders tragischer Aspekt des anhaltenden Konflikts betrifft die Gesundheit der Mieter/innen. Zwei Bewohner/innen sind seit April dieses Jahres schwer erkrankt. Der Verdacht, dass die andauernde Angst vor dem möglichen Wohnraumverlust einen Beitrag zu ihrem gesundheitlichen Zustand geleistet hat, liegt nahe. Die Nachricht über eine Wohnungsbesichtigung durch den Rechtsanwalt des Eigentümers sorgte kurz vor Eintreten der Erkrankungen für erheblichen Stress. Die psychischen Belastungen, gepaart mit baustellenartigen Wohnbedingungen und andauerndem Druck durch die Eigentümergesellschaft, vestärken die ohnehin schwierige Lebenssituation der Mieter/innen stetig. Die Prognosen für die Erkrankten sind bestürzend. Ein weiteres Problem betrifft die seit April 2024 ausstehende Heizkostenabrechnung. Die Hausverwaltung hat bisher versäumt, den Mieter/innen die fällige Abrechnung zukommen zu lassen. Aufgrund der schon lange defekten Heizungsanlage haben sich auf den Mietkonten womöglich Guthaben angesammelt. Um Druck auf die Verwaltung auszuüben, überlegen die Mieter/innen nun, den monatlichen Heizkostenabschlag nach mietrechtlicher Beratung einzubehalten. Um den Kampf gegen den Abriss weiter voranzutreiben und den Unterstützerkreis auszubauen, haben sich die Mieter/innen der Jagowstraße an öffentlichen Aktionen beteiligt. Am 28. September fand zudem das traditionelle Hoffest mit den solidarischen Nachbar/innen der Jagowstraße 12 statt. Neben der Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ haben auch „Architects for Future“ ihre Unterstützung zugesagt. Nach einem Treffen im Juli 2024 in der Jagowstraße 12 signalisierten diese ihre Bereitschaft, die Mieter/innen der Jagowstraße 35 zu unterstützen, indem sie in den sozialen Medien auf die Situation aufmerksam machten. Die Vernetzung mit anderen Initiativen ist ein wichtiger Schritt, um breitere Unterstützung gegen die Gentrifizierung zu mobilisieren.

