Ihre „Beute“ fahren sie zumeist in den Morgenstunden ein. Dutzende Orte klappern die Fahrer mit ihren Transportern ab, kreuz und quer durch den dichten, blechernen Berufsverkehr Berlins. Immer auf der Suche nach Spenden: Backwaren, Obst, Gemüse, Wurst und Käse, auch Säfte und Fleisch. Vieles davon ist nicht mehr ganz taufrisch, einiges nah am Verfallsdatum, aber uneingeschränkt für den menschlichen Verzehr geeignet.
Es sind Nahrungsmittel, die dringend gebraucht werden. Für Personen mit schmalem Geldbeutel – und nicht zuletzt für Mieter/innen. Denn Wohnungsmangel und Mietenexplosion in Deutschland treiben immer mehr Bewohner/innen in die Schlangen der bundesweit 975 Tafeln. Eigenen Angaben zufolge unterstützt diese Freiwilligenorganisation mit ihren rund 75.000 Helfern aktuell mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig. Einkommen bedeuten für Erwerbstätige aufgrund der Billiglöhnerei in vielen Branchen kein krisenfestes Auskommen. In Altersruhe zu sein, heißt nicht, von der Rente seinen Lebensabend sorgenfrei gestalten zu können. Besonders für Alleinerziehende mit Kindern fehlt es an einer existenzsichernden Unterstützung. Und dann ist da noch der Faktor Miete, die sogenannte Wohnarmut. Auch deshalb habe der Dachverband Tafel Deutschland den Ende Januar veröffentlichten Bündnisaufruf „Für soziale Sicherheit und gerechte Verteilung“ unterzeichnet, so ein Tafel-Sprecher auf Nachfrage vom MieterEcho. Einen Appell von Gewerkschaften, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, Deutschem Mieterbund, Pro Asyl und Erwerbsloseninitiativen gegen soziale Kürzungen und Stimmungsmache, die auf schutz- und hilfebedürftige Menschen zielt. Ferner fordern die Aufrufenden ein Recht auf Wohnen als „essenzielles Element eines menschenwürdigen Lebens.“ Dabei sei ein hinreichendes Angebot an günstigem Wohnraum durch einen stärkeren öffentlichen Wohnungsbau sicherzustellen, um den Mietwohnungsmarkt zu entspannen. Dafür brauche es gesetzliche Regeln, „um den Anstieg der Mieten wirksam zu begrenzen.“
