„Jetzt erst recht“ lautet die Devise der Berliner Olympia-Maniacs, nachdem München als Mitbewerber um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 erst mal die Nase vorn hat. Denn am 26. Oktober stimmten die Wähler/innen in München bei einem Bürgerentscheid mit satten 66,4% für eine Bewerbung der bayrischen Landeshauptstadt. Man versteht vielleicht nicht warum, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass es dort tatsächlich ein starkes Bedürfnis gibt, das neben der Fußball-WM teuerste und korrupteste Großevent der globalen Profisport-Branche in die Stadt zu holen – koste es was es wolle. Das will der Berliner Senat aber auch, und sieht das Münchener Ergebnis als „Ansporn“ und „Herausforderung“ für die eigenen Bemühungen. Einen Bürgerentscheid wird es hier allerdings nicht geben, weil das – leider, leider, wie die Verantwortlichen betonen – in der Berliner Landesverfassung so nicht vorgesehen sei. Dafür aber ein „ausgiebiges Bürgerbeteiligungsverfahren“ und einen „umfassenden Dialog mit der Stadtgesellschaft“, erklärte der Sportmanager Kaweh Niromaand, der von Senat berufene Olympia-Beauftragte Berlins. Als Vorteile von Berlin sieht er – und das ist leider kein Witz – das Berliner Verkehrsnetz und die städtische Infrastruktur. In dieses Horn bläst auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegener (CDU): „Das Münchener Ergebnis zeigt: Die Begeisterung für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland ist groß. Olympia gehört aber nach Berlin. Keine andere deutsche Stadt steht so sehr für Internationalität, für Begeisterung und Leidenschaft für Sport“, so Wegner im rbb. Zudem habe man „die Erfahrung, die Infrastruktur und die Menschen“ um die Spiele erfolgreich auszurichten. Für diese erste Phase der Bewerbung wurden schon mal 6 Millionen Euro locker gemacht – während gleichzeitig viele wichtige soziale Projekte angesichts der Kürzungsvorgaben des Senats vor dem Aus stehen – von maroden Turnhallen und Sportplätzen für den Breitensport ganz zu schweigen.


