Berlin ist mit über 200.000 Studierenden deutschlandweit die beliebteste Hochschulstadt. Auch ihnen macht der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zunehmend zu schaffen. Der Markt antwortet darauf mit dem Bau teurer und privater Studierendenwohnheime, die das Budget der meisten Studierenden übersteigen. Doch auch der Senat hat reagiert und lässt seit einigen Jahren studentischen Wohnraum bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) bauen. Eine bemerkenswerte Entwicklung, denn der Neubau markiert eine Trendwende. Nach Jahrzehnten, in denen öffentliche Wohnheime geschlossen wurden, wird wieder gebaut. Zugleich gerät der größte Anbieter von öffentlichen Wohnheimen, das Studierendenwerk Berlin (stw) zusehends ins Abseits. Bereits 2013 verkündete der damalige Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Bau von 5.000 neuen Wohnheimplätzen für Studierende. Schnell wurde klar, dass diese nicht beim stw sondern bei den LWU entstehen sollen. Sie können leichter Kredite aufnehmen, und man versprach sich schnellere Ergebnisse. Bis 2020 sollten die Wohnungen fertig sein. Vier Jahre später als geplant ist dieses Ziel weitgehend erreicht. Wie zwei parlamentarische Anfragen durch Grüne und Linke Ende 2024 ergaben, hat die Berlinovo 4.080 Einheiten für Studierende und die übrigen LWU mindestens 900 weitere Plätze für Studierende und Azubis gebaut. Angesichts der verlängerten Bauzeit kann also angezweifelt werden, ob der aktuelle schwarz-rote Senat sein selbstgestecktes Ziel erreicht, 5.000 weitere Wohneinheiten für Studierende und Azubis bis 2026 zu errichten. So begrüßenswert die Neubauten sind, zur Entspannung der Lage haben sie nicht entscheidend beigetragen. Noch immer warten tausende Studierende auf eine Wohnung oder müssen überhöhte Mieten akzeptieren. Schlimmstenfalls fangen Kinder aus ärmeren Haushalten aufgrund der hohen Mieten erst gar kein Studium an.
