Wohnungs- und Obdachlosigkeit sind in Berlin längst alltäglich geworden, auch als Sinnbild der Widersprüchlichkeit der bürgerlichen Wirtschaftsideologie. Die leeren Versprechen von der „sozialen Marktwirtschaft“ verpuffen, wenn der Markt, der angeblich alles regelt, für immer mehr Menschen offensichtlich keine Lösung für das elementare Bedürfnis nach angemessenem Wohnraum anbieten kann. Die regierenden Parteien und die Verwaltungen versuchen es mit einer Art „Doppelstrategie“. Auf der einen Seite werden in steter Regelmäßigkeit Pläne und Strategien verkündet, wie man die Wohnungslosigkeit mittelfristig zu überwinden gedenkt und aktuell mehr Hilfsangebote schaffen kann. Auf der anderen Seite wird gegen die Spitze des Eisbergs in diesem Problemfeld, die sichtbare Obdachlosigkeit auf Straßen, in Parks oder in „wilden“ Camps, teilweise mit massiver Repression vorgegangen, um dem Bedürfnis vieler Bürger nach „Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung“ zu entsprechen. Diverse Behörden des Landes und der Bezirke, wie Straßen- und Grünflächenämter, Sozial- und Ordnungsämter, Berliner Stadtreinigung und die Polizei, sind mit der Frage von Duldungen und Räumungen befasst, ohne dabei auf die tatsächliche Notlage vieler Betroffener einzugehen. Die Liste der Räumungen von Obdachlosencamps ist lang. Dazu einige Beispiele: In der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg ließ das Bezirksamt in der Nacht zum 6. Februar 2021 ein Camp räumen, offiziell zum Schutz vor extremer Kälte. Sozialstadtrat Kevin Hönicke (SPD) verteidigte dies als „Evakuierung“. Kritiker/innen sahen darin hingegen eine Zwangsräumung zugunsten von Bauvorhaben. Am Helmholtzplatz und im Blankensteinpark in Pankow erfolgten zwischen August 2024 und Juli 2025 mehrere Räumungen (Pankow), teilweise ohne klare Rechtsgrundlage und vor allem ohne Angebote nachhaltiger Hilfen bei der Unterbringung der Betroffenen. Begründet wurde das u. a. mit Anwohnerbeschwerden und fehlender Müllentsorgung. Auch am Stuttgarter Platz in Charlottenburg ist seit 2024 ein deutlich rigideres Vorgehen des Bezirks zu verzeichnen. So werden Räumungs- und Reinigungseinsätze unter der S-Bahn-Unterführung Lewishamstraße nicht mehr – wie zuvor üblich – angekündigt. Für ein hartes Vorgehen ist auch der Bezirk Neukölln bekannt, wo 2024 insgesamt 15 von Obdachlosen genutzte Lagerstätten geräumt wurden.
