Auf der Mitgliederversammlung der Berliner MieterGemeinschaft im Bezirk Wedding am 18. März wurden Katharina Mayer und Philipp Möller als Delegierte gewählt.
MieterEcho: Sie wurden als Delegierte für den Bezirk Wedding gewählt. Können Sie sich kurz vorstellen?
Philipp Möller: Ich engagiere mich seit über zehn Jahren an verschiedenen Stellen der Berliner Mietenbewegung. 2015 bin ich in der Berliner MieterGemeinschaft aktiv geworden und habe die Bezirksgruppe Wedding mitgegründet. Ich kenne den Verein aus verschiedenen Perspektiven, über viele Jahre hinweg war ich Teil der MieterEcho-Redaktion und habe als Teil der „Initiative Neuer Kommunaler Wohnungsbau“ (INKW) die Veranstaltungsreihe „Vergessene Utopien des Wohnens“ mitorganisiert.
Katharina Mayer: Seit 2016 bin ich in der Bezirksgruppe Wedding aktiv. Von 2016-2021 war ich auch stadtentwicklungspolitische Sprecherin für die Linke in der BVV Mitte. Als Mandatsträgerin hatte ich den Anspruch, mietenpolitische Kämpfe in das Bezirksparlament zu tragen. Bis vor Kurzem habe ich außerdem die kostenlose Mieterberatung im Bezirk Neukölln koordiniert, Mieterversammlungen organisiert und Mieter/innen beraten, u. a. zum bezirklichen Vorkaufsrecht, Wohnungsmängeln, Eigentumsumwandlung.
Wie ist die wohnungspolitische Situation im Bezirk und was sind die drängendsten Probleme?
K. M.: Wie überall in Berlin ist die Situation für Mieterinnen und Mieter im Wedding äußerst schwierig. An vielen Ecken sieht man deutliche Gentrifizierungstendenzen, viele luxuriöse Neubauten sind entstanden und Altbauten wurden aufwendig modernisiert. Mieter/innen mit geringen Einkommen haben kaum noch Chancen, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
P. M.: Die Koloniestraße 10 und die Häuser auf dem Bayer-Gelände im Mettmannkiez sind akut vom Abriss bedroht. Im Brunnenviertel, wo viele Menschen mit wenig Geld wohnen, laufen in den kommenden Jahren viele Sozialbindungen aus. Nach und nach verschwinden die letzten bezahlbaren Wohnungen aus dem Arbeiterkiez.
Sie sind in der Bezirksgruppe Wedding aktiv. Was macht Ihre Bezirksgruppe und was sind Ihre nächsten Vorhaben?
K. M.: Wir haben Kiezspaziergänge organisiert, etwa zu einem Sanierungsgebiet im Gesundbrunnen und dem „Silicon Wedding“, einem geplanten Gewerbegebiet direkt am Humboldthain. Während der massiven Gaspreissteigerungen haben wir auf Veranstaltungen zu Betriebskosten informiert. Zuletzt standen die Erneuerung und Demokratisierung des Vereins im Vordergrund unserer Aktivitäten, hierzu haben wir auch das Papier „BMG neudenken“ verfasst.
P. M.: Eines unserer Mitglieder hatte eine Eigenbedarfskündigung, die wir bis zur Räumungsklage begleitet haben. Eigenbedarfskündigungen bilden daher einen weiteren Schwerpunkt unserer Arbeit. Als Nächstes machen wir im Juni eine Mieterversammlung wegen der Entmietung eines Hauses durch einen privaten Vermieter.
Stehen Sie im Austausch mit anderen mietenpolitisch Aktiven im Bezirk?
P. M.: Wir treffen uns im Stadtteilladen „Rote Ella“, der zum Stadtteilkommitee Wedding gehört, mit denen wir eng verbunden sind. Aber auch mit „Hände weg vom Wedding“ und der Ortsgruppe von „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ stehen wir im Austausch. Ich selbst bin auch in der Linkspartei aktiv, insofern gibt es auch dort direkte Überschneidungen zu deren Basisorganisationen.
Was möchten Sie anderen Delegierten oder Bezirksgruppen noch mitteilen?
K. M.: Jetzt ist ein super Moment, um die MieterGemeinschaft aktiv mitzugestalten. Wir wollen, dass der Verein mittels Organizing Mieter/innen gezielt organisiert und dafür sorgen, dass die kritische Stimme der MieterGemeinschaft künftig durch eine moderne Öffentlichkeitsarbeit gehört wird.
P. M.: Gerade jetzt in diesen finsteren Zeiten brauchen wir starke Mieterorganisationen und in der BMG liegt unheimlich viel Potential. Wenn uns der Neuaufbau der BMG gelingt, gibt es eine starke Organisation für die Mieter/innen zu gewinnen. Packen wir es an!
Das Interview führte Andreas Hüttner.