40.700 Wohnungen standen 2022 laut Zensus in Berlin leer. Diese Zahl weckt bei vielen die Hoffnung, den angespannten Wohnungsmarkt durch eine schnelle Aktivierung von Leerständen spürbar entlasten zu können. Ein genauerer Blick relativiert diese Erwartung jedoch deutlich. Mehr als die Hälfte der Wohnungen stehen kürzer als sechs Monate leer. Nur etwa 12.000 Wohnungen sind seit mehr als 12 Monaten leer und können damit als dauerhafter Leerstand gelten. Allerdings sollte laut Zensus wiederum ein Drittel dieser Wohnungen innerhalb der kommenden drei Monate wieder verfügbar sein. In fast 5.000 der dauerhaft leerstehenden Wohnungen fanden zudem laufende oder geplante Baumaßnahmen statt. Am Ende bleiben lediglich rund 3.000 Wohnungen, die möglicherweise aus spekulativen Gründen leerstehen und deren Belebung tatsächlich einen entlastenden Effekt hätte. Zwar sind die Zahlen des Zensus mit Vorsicht zu genießen. Angaben zu Dauer und Gründen des Leerstands beruhen auf Selbstauskünften der Eigentümer, die nicht immer ein Interesse an vollständiger Transparenz haben. Dennoch sprechen die hohen und weiter steigenden Angebotsmieten gegen einen großen Umfang spekulativen Wohnungsleerstands. Für Eigentümer ist es daher in der Regel sehr profitabel, Wohnungen zügig wieder zu vermieten. Bestehende Regulierungen wie die Mietpreisbremse werden vielfach ignoriert, befristete Mietverträge nehmen zu, um hohe Marktmieten regelmäßig neu durchsetzen zu können. Die Machtfülle der Vermieter speist sich aus dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. In der Wohnungswirtschaft gilt eine Leerstandsquote von mindestens 3% als notwendige Fluktuationsreserve. In Berlin lag sie laut Zensus jedoch nur bei rund 1,97%.


