Vor über 10 Jahren gründete sich die Initiative für einen Neuen Kommunalen Wohnungsbau (INKW) und entwarf einen Vorschlag für einen steuerfinanzierten kommunalen Wohnungsbau in einer öffentlich-rechtlichen Organisationsstruktur mit klarem sozialem Versorgungsauftrag. Die INKW-Forderungen blieben bis heute unerfüllt, haben jedoch die wohnungspolitischen Debatten der letzten Dekade in Berlin nachhaltig geprägt. Das Grundsatzpapier der INKW wurde im April 2014 veröffentlicht. Initiiert von der Redaktion des MieterEchos unterzeichneten fast 30 Einzelpersonen aus Gewerkschaften, Parteien und Mieterinitiativen sowie kritische Wissenschaftler/innen von Universitäten den Aufruf für ein kommunales Bauprogramm als Antwort auf die schon damals sichtbaren Wohnungsnotlagen in Berlin. Die knapp vier Seiten des Grundsatzpapiers umfassen eine prägnante Analyse der wohnungspolitischen Ausgangslage und die kompakte Skizze für eine transformative Neubauagenda. Nach den Jahren der Privatisierung und eines weitgehend ausgesetzten Wohnungsbaus – so die weitsichtige Einschätzung der INKW – waren die Leerstandsreserven der Stadt weitgehend aufgezehrt und ermöglichten weitreichende Mieterhöhungen in den überwiegend privat bewirtschafteten Beständen. Aus der klaren Analyse eines „strukturellen Missverhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage bei niedrigpreisigen Wohnungen“ in marktwirtschaftlich organisierten Wohnungssystemen schlussfolgerte die Initiative, dass „Interventionen der öffentlichen Hand unumgänglich“ seien. Dieser Notwendigkeit des öffentlichen Eingriffs standen aber sehr eingeschränkte wohnungspolitische Handlungsspielräume entgegen. Mit der Massenprivatisierung öffentlicher Wohnungen und Liegenschaften, den Beschlüssen zum beschleunigten Auslaufen der Mietpreis- und Belegungsbindungen in den Sozialwohnungsbeständen und der Aufhebung der Mietobergrenzen in den Sanierungsgebieten hatten die Berliner Regierungen die letzten wohlfahrtsstaatlichen Elemente der Wohnungspolitik aus der Hand gegeben. Der Vorschlag der INKW setzte auf einen aus Steuern finanzierten Wohnungsbau in öffentlicher Trägerschaft und adressierte damit beide Seiten der sozialen Wohnungskrise: die Forcierung des Neubaus zur Ausweitung des Angebots mit leistbaren Wohnungen und zugleich die Ausweitung der wohnungspolitischen Handlungsspielräume durch eine Vergrößerung der öffentlichen Wohnungsbestände.


