Die Probleme am Mehringplatz in Kreuzberg, der sich von einem ehemals beschaulichen und multikulturellen Viertel zu einem sozial und infrastrukturell maroden Bereich entwickelt hat, verdeutlichen die systemischen Mängel von neoliberalen Fördermittelprogrammen.
Der Platz liegt in Kreuzberg direkt am U-Bahnhof Hallesches Tor und ist Teil der südlichen Friedrichstadt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Nach dem Mauerbau wurde der Bereich zu einer Randlage Westberlins und es entstand in den 1970er Jahren eine Großwohnsiedlung mit sozialem Wohnungsbau. Der Kiez war zunächst als „lebenswerter Ort“ konzipiert, mit einer Mischung aus Wohnblocks, Fußgängerzonen, kleinen Läden und Sozialräumen. Heute gilt er als „Schandfleck“, ein Ort, der nicht in die „aufgewerteten Viertel“ Berlins passt. Die Nachbarschaft ist geprägt von vielen Menschen mit Migrationshintergrund und Transferleistungsbezieher/innen. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Konflikte deutlich erhöht. Gewalt, Müllprobleme und mehr Obdachlosigkeit sind Anzeichen für die Abwärtsspirale. Diese Entwicklung wurde durch das Versagen der Stadtverwaltung und der landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU), wie in diesem Fall der Gewobag, sogar verstärkt. Die LWU müssen trotz öffentlicher Eigentümerschaft gewinnorientiert arbeiten, was zu Vernachlässigung und Missmanagement führt. In den vergangenen Jahren ist die Qualität der Wohnumfeldverhältnisse erheblich gesunken. Defekte Laternen, kaputte Aufzüge, schlechte Heizungen und unzureichende Reparaturen sind alltägliche Probleme. Die Gewobag zeigt sich unkooperativ und überfordert, wenn es um die Behebung von Mängeln geht.
