Sie glaube, die Berliner/innen interessierten sich „nicht so doll“ für den Molkenmarkt, sagt Berlins ehemalige Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke). „Aber dass an diesem Ort sozusagen ein reaktionäres Stadtentwicklungsprojekt rekrutiert wird, das muss eine progressive Stadtgesellschaft interessieren. Und deshalb ist es auch wichtig, sich darauf in der Debatte zu fokussieren, ohne andere städtische Entwicklungsthemen zu vergessen“, unterstreicht Lompscher Mitte Mai bei der Veranstaltung „Geld.Macht.Stadt.“ der Linke-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung in deren Zentrale am Berliner Ostbahnhof. Auf dem Podium sitzen mit dem Architekturtheoretiker Philipp Oswalt und der Linke-Bundestagsabgeordneten Katalin Gennburg zwei Menschen, die direkt mitmischen im Kampf um die Zukunft des Molkenmarkts. Wenige Tage zuvor haben sie gemeinsam eine Strafanzeige gestellt „wegen Veruntreuung öffentlichen Vermögens“ und weiterer in Betracht kommender Straftaten. Es geht um die laut Medienbericht beabsichtigte Teilrestitution von Flächen des ehemaligen Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster rund um die Klosterruine am Molkenmarkt-Areal. Angezeigt haben sie den aktuellen Finanzsenator Stefan Evers (CDU), den einstigen Finanzsenator Thilo Sarrazin (damals SPD) sowie den ehemaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann (SPD). Laut Tagesspiegel streben der aktuelle Finanzsenator sowie die Stiftung Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster einen Vergleich um die strittigen Grundstücke an. Eine Million Euro sowie Teilflächen des Areals soll sie vom Land Berlin bekommen. Damit soll ein seit 2019 laufendes Verfahren ohne Urteil beendet werden. Allerdings hatte das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen das Ansinnen der Stiftung bereits im Februar 1999 zurückgewiesen. Gennburg und Oswalt argumentieren, dass laut verfügbaren Unterlagen die Grundstücke seit 1574 ohne Unterbrechung der Stadtgemeinde Berlin und ihren Rechtsnachfolgerinnen gehörten, es also nichts zu restituieren gibt. In der Anzeige werden auch verschiedene persönliche Verquickungen der Amtsträger aufgelistet.


