MieterEcho: Welche Rolle spielen Wohnungskrise und hohe Mieten für die Gewerkschaften in Berlin und Brandenburg?
Katja Karger: Wir Gewerkschaften kämpfen für gute Arbeit, eine starke Wirtschaft und soziale Sicherheit. Die Wohnungskrise berührt alle drei Aspekte: Wenn Wohnen immer teurer wird, dann fressen die steigenden Mieten sofort jede Tariferhöhung der Beschäftigten auf. Schon jetzt müssen viele von ihnen längere Wege zur Arbeit in Kauf nehmen, weil sie in der Nähe der Arbeit keine bezahlbare Wohnung finden. Fehlende Wohnungen treffen aber auch die Wirtschaft, wenn Fachkräfte nicht mehr in die Region ziehen, weil sie sich das Wohnen hier nicht leisten können. Junge Menschen mit geringem Einkommen – besonders Azubis – trifft das besonders hart. Und wenn nicht sicher ist, ob ich mir bei Arbeitslosigkeit, langer Krankheit oder in der Rente die eigene Wohnung noch leisten kann, dann gibt es auch keine soziale Sicherheit. Deshalb ist die Wohnungsfrage auch für uns Gewerkschaften eine der zentralen Fragen für Berlin.
Bezahlbarer Neubau ist unabdingbar. Sollte dieser nicht besser in unmittelbarer öffentlicher Trägerschaft realisiert werden, statt mithilfe immer neuer Förder- und Anreizsysteme für private Investoren?
Wir brauchen wieder mehr Wohnungen, die dauerhaft bezahlbar sind und nach gemeinwohlorientierten Kriterien bewirtschaftet werden. Deshalb sprechen wir uns für einen starken öffentlichen Wohnungsbau aus. Sozialwohnungen, die nach Ablauf der Bindungsfrist auf den freien Markt gelangen, schaffen keinen langfristigen Schutz. Wohnungen im öffentlichen Eigentum bieten dagegen auch dauerhaft den stärksten Hebel auf dem Wohnungsmarkt. Neben öffentlichen Wohnungsgesellschaften sollten auch Genossenschaften gefördert werden, ebenso wie Arbeitgeber neue Wohnungen für ihre Beschäftigten errichten sollten.

