In diesem Jahr hätte die gewerkschaftseigene Neue Heimat (NH) ihr hundertjähriges Jubiläum feiern können, wenn sie nicht 1986 endgültig zerschlagen worden wäre. Mit über 460.000 gebauten Wohnungen war sie die mit Abstand größte gemeinnützige Baugesellschaft und damit zentraler Akteur bei der Überwindung der Wohnungsnot in den Nachkriegsjahren der Bundesrepublik.
So groß wie die NH war, so bedeutsam war dann auch der Schaden, den eine misswirtschaftende und korrupte Unternehmensführung angerichtet hatte: um ihre Wohnung bangende Mieter/innen, Vertrauensverlust der Gewerkschaften sowie die Diskreditierung des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Letzteres führte 1990 dann auch zur Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit, was wiederum die Welle der Wohnungsprivatisierungen nach sich zog. Zu den Folgen gehört zudem, dass der DGB auf maximale Distanz zu den früheren Bauleistungen seiner Organisation geht. Der Architekt Steffen Adam veranschaulichte das bei einer Veranstaltung des ME im Juli 2025: „Wenn Sie heute die Gewerkschaften fragen, ob sie wieder in den Wohnungsbau eintreten, dann sagen Ihnen alle was von der Neuen Heimat.“ Dabei hat die NH wesentlich mehr zu bieten als einen Skandal. Der Ursprung des Unternehmens geht auf die 1926 gegründete Gemeinnützige Kleinwohnungsbaugesellschaft Groß-Hamburg zurück, die von den faschistischen Machthabern 1939 in „Neue Heimat“ umbenannt und der Deutschen Arbeitsfront übereignet wurde. Nach dem Krieg von den Besatzungsmächten beschlagnahmt, wurden die Wohnungsbestände 1950 dem neu gegründeten DGB übergeben. Von Hamburg ausgehend entwickelte sich die Gesellschaft mit neu gegründeten Tochtergesellschaften in wenigen Jahren zu einem bundesweit agierenden gemeinnützigen Bauunternehmen.
