In ganz Spanien kam es zu Massenprotesten gegen die Wohnungskrise. Auslöser war die Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau Ende September in Madrid, die ihre verdreifachte Miete nicht zahlen konnte und nach 70 Jahren mit Polizeigewalt aus ihrer Wohnung geworfen wurde. Als Folge der Proteste erhielt die Frau zwar einen neuen Mietvertrag zu ähnlichen Konditionen, verstarb aber im Krankenhaus, bevor sie in ihre Wohnung zurückkehren konnte.
Laut einer Umfrage der spanischen Zeitung El País fürchten 75% aller Mieter/innen, ihre Wohnung in den nächsten zwei Jahren durch Gentrifizierung und Mieterhöhungen zu verlieren. Kein Wunder also, dass die Zwangsräumung landesweit hunderttausende gegen die Wohnungskrise auf die Straße trieb, und zahlreiche öffentliche Plätze mit Zeltstädten besetzt wurden. Die sozialdemokratisch geführte Minderheitsregierung brachte Mieterschutzgesetze ins Parlament ein, die unter anderem ein Kündigungs- und Räumungsmoratorium enthielten. Sie scheiterte bei der Abstimmung aber an den rechten und liberalen Parteien. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte daraufhin Neuwahlen für den 29. November an.
