MieterEcho: Wie seid ihr auf die Prüfung der Betriebs- und Heizkostenabrechnung mit Künstlicher Intelligenz (KI) gekommen?
Robert Rau: Nachdem 2022 die Gaspreise nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine stiegen, stiegen auch für viele Mieter/innen in der Pfarrsiedlung die Heizkosten. Trotz ähnlichen Verbrauchs kam es bei der Abrechnung für 2022 zu erheblichen Nachforderungen durch die Vermieter.
Ursache waren die Preissteigerungen durch die Wärmeversorgungsverträge, die Vermieter mit einem Heizkraftwerk der Gasag Solution und BTB Berlin zur Fernwärme geschlossen haben.
Uns fiel das Missverhältnis zwischen der tatsächlichen Erhöhung des reinen Gaspreises und den Beträgen auf, die Vermieter nachforderten.
Das war für uns der Grund, sich nicht nur mit mietrechtlichen Fragen, sondern auch mit der Klimapolitik und den wirtschaftlichen Strukturen zur Gewinnung und Bereitstellung von Energie zu beschäftigen.
Wofür aber KI?
Wir haben die Abrechnungsbelege zur Wärmeversorgung bei den Vermietern eingesehen und zunächst kaum etwas verstanden. Denn was wir Mieter/innen umgelegt bekommen, bezieht sich bei unseren Wärmeversorgungsverträgen nicht auf das, was die Rohstoffe wirklich kosten, sondern im Wesentlichen auf Börsenpreise für Rohstoffe, insbesondere für Gas, als bestimmende Faktoren in einer komplexen Preisgleit-Formel. Das zunächst zu durchblicken und im nächsten Schritt selbst zu berechnen, dauert Tage. Also musste für unsere Überprüfung ein Werkzeug her, die KI.
Wie seid ihr vorgegangen?
Zunächst haben wir die KI mit Informationen gefüttert, mit Betriebskostenabrechnung, Wärmeliefervertrag und regionalen Vergleichswerten, und dazu die Anweisungen gegeben. Die Prüfung der Betriebs- und Heizkosten mit KI erleichtert die Prüfung enorm und zahlt sich erst recht bei den Prüfungen in den Folgejahren aus. Wir haben daher die Möglichkeiten der Nutzung von KI-Tools zur Analyse von Betriebs- und Heizkostenabrechnungen auf unsere Website www.pfarrsiedlung-berlin.de allen zugänglich gemacht.
Wir wünschen uns, dass es dadurch zu mehr Widersprüchen und Klagen bei diesem Irrweg der Wärmeversorgung zu Lasten der Mieter/innen kommt und zum Umdenken in der Bundespolitik bei der Fernwärmeverordnung und in der Kommunalpolitik führt. Denn der Markt ist nicht transparent und die Preisaufsicht nicht nennenswert. Energieversorger werden regional zu Monopolen und kassieren ab.
Wie bewertest du in dem Zusammenhang die Eckpunkte des Wärmenetzpakets des Bundeskabinetts?
Eine erste KI-Bewertung des Eckpunktepapiers vom 26. August zum neuen Wärmenetzpaket lässt kaum Zweifel aufkommen: CDU und SPD schnüren ein rundes Arterhaltungs-Paket für Wärmeversorgungsunternehmen und Stadtwerke, die Position von Mieter/innen und Verbraucher/innen soll massiv geschwächt werden. Während man Monopolversorgern ein juristisches Knebel-Setup für die Einführung und den Betrieb ihrer interessanten Produkte bereitstellt, hat man für Verbraucher/innen und Mieter/innen nur Placebos im Angebot: eine Transparenzplattform für Monopolpreise und eine neue Schlichtungsstelle im Vorzimmer der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katharina Reiche. Das kann man dann wohl als einen rundum gelungenen Interessensausgleich bezeichnen.
Das Interview führte die Bezirksgruppe Pankow.