Im MieterEcho zur Wohnungslosigkeit aus dem Jahr 2024 gab es den Hinweis, dass Christiane Niesel und Petra Metzger an einem Buch über wohnungslose Frauen mit Hafterfahrungen arbeiten. Das ist nun erschienen. Acht Frauen zwischen 23 und 45 Jahren wurden zu ihren Erfahrungen in der Haft und auf der Straße interviewt. Warum kommen Frauen in Haft, was macht die Strafe mit ihnen, und wie geht das Leben danach weiter? Man merkt den Interviews an, dass die Autorinnen im Umgang mit wohnungslosen Menschen erfahren sind. Beide sind politisch aktiv, u. a. beim Musiknetzwerk Lebenslaute und der Arche für Obdachlose. Sie nehmen uns mit an die Orte, in denen die Frauen sich aufhalten, und schaffen in den Interviews eine sehr persönliche Atmosphäre. Dadurch entstehen Lebensgeschichten, denen man sich als Leser/in nicht entziehen kann. Es fällt vielleicht schwer, gerade an obdachlosen Frauen auf der Straße schnell vorbei zu eilen, aber gern trösten wir uns damit, dass es ja Hilfsangebote gibt. Aber nach dieser Lektüre wissen wir: Diese Gesellschaft macht krank, sortiert aus und lässt die Schwächsten zurück. Dominiert von einem menschenverachtenden Weltbild, das denen da unten das nicht gelebte Leben nimmt.
