MieterEcho: Sie werden auf unserer stadtpolitischen Konferenz am 25. April im IG-Metall Haus die Begrüßungsworte sprechen. Welche Bezüge sehen Sie zwischen der IG Metall und der Mietenbewegung?
Constantin Borchelt: Ich sehe da eine ganze Menge Bezüge. Vor allem, weil das Thema Wohnen auch für unsere Mitglieder eine grundlegende Frage von Lebens- und Arbeitsbedingungen ist. Weil die Mieten in Berlin explodieren und damit auch der Druck auf Löhne steigt. Wir sind ja für das Thema Entgelttarife zuständig, aber drängen auch darauf, dass die Konflikte um das Thema Mieten politisch gelöst werden.
Für uns als Berliner MieterGemeinschaft bräuchte es angesichts des dramatischen Mangels an bezahlbaren Wohnungen massive Eingriffe in den Wohnungsmarkt: Mietendeckel, Vergesellschaftung der Bestände großer Wohnungskonzerne und ein ambitioniertes kommunales Neubauprogramm. Können die Gewerkschaften da mitziehen?
Uns ist klar, dass Wohnen keine einfache beliebige Ware sein darf. Und da macht es auch Sinn, dass profitorientierte Wohnungskonzerne in gemeinwohlorientierte Strukturen überführt werden. Denn es hat sich nicht nur in Berlin in den vergangenen Jahren ganz deutlich gezeigt, dass der Markt das eben nicht alles selber regeln kann. Dann muss man das eben anders regeln.
Nach unserem Verständnis sollte die Wohnraumversorgung als Teil der sozialen Daseinsvorsorge verstanden werden, wie Bildung, Gesundheitsversorgung, Altersbezüge, Mobilität u. a. m. Doch die gesamte soziale Daseinsvorsorge ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt. Was bedeutet das für die Gewerkschaften?
Für uns ist wichtig, dass auch bezahlbarer Wohnraum elementarer Bestandteil der sozialen Infrastruktur sein muss. Bei Themen wie Energie, Mobilität oder Bildung, da ist man sich in der Vergangenheit weitgehend einig gewesen. Aber wir beobachten natürlich genau, was da auf verschiedenen Ebenen passiert ist und weiter vorangetrieben wird, etwa was Privatisierungen betrifft. Wir brauchen auch künftig einen Sozialstaat mit starken Strukturen, und wir sehen, dass das rauer und schwieriger wird.
