„Die Situation ist psychisch stark belastend. Ständig besichtigen Kaufinteressierte deine Wohnung, und viele Altmieter/innen fürchten, als Nächste gehen zu müssen“, sagt Hannah Rose. Ihre Mitstreiterin Martha Schön ergänzt: „Die soziale Durchmischung im Kiez geht verloren.“ Doch statt zu resignieren, sind sie in der Initiative „Pankow gegen Verdrängung“ aktiv geworden. Diese engagiert sich seit 2023 gegen auslaufende Sozialbindungen, hohe Mieten und Eigenbedarfskündigungen. Die Initiative hat recherchiert, dass im Bezirk Pankow rund 7.000 Wohnungen zwischen 1993 und 2003 mit öffentlichen Fördermitteln saniert wurden. Die Eigentümer/innen bekamen staatliche Hilfe für die Instandsetzung und Erneuerung der Häuser. Im Gegenzug wurden sie verpflichtet, die Wohnungen für 20 bis 30 Jahre in der Sozialbindung zu halten. Diese sah eine Begrenzung des Mietpreises und ein temporäres Verbot von Eigenbedarfskündigungen vor. Die Initiative schätzt, dass inzwischen 95% der einst gebundenen Wohnungen auf dem freien Markt sind. Seither erhöht sich der Druck auf die verbliebenen Mieter/innen. Mit ähnlichen Problemen haben jährlich tausende Berliner/innen zu kämpfen, denn auch die Bindung von Neubauten ist zeitlich befristet. Nimmt ein privates oder öffentliches Unternehmen die Neubauförderung in Anspruch, sind die Wohnungen im Anschluss bis zu 30 Jahre lang in der Sozialbindung. Die Mieten sind gedeckelt und nur Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins (WBS) haben hierauf Anspruch. Nach Recherchen des rbb gab es Ende 2024 noch rund 85.800 dieser Wohnungen, wobei sich ihre Zahl bis 2034 ungefähr halbieren wird.
