Blaulichteinsatz der Berliner Feuerwehr in Mitte. An der Ecke Invaliden- und Chausseestraße fahren mehrere Leiterwagen vor. Am 25. Juli 2024 sind Fassadenteile von einem leerstehenden Gebäude abgestürzt und haben einen Passanten leicht verletzt. Der Straßenbahnverkehr zum Hauptbahnhof muss unterbrochen werden, bis die Einsatzkräfte weitere Teile der Fassade provisorisch abgestützt haben. Die Edelplatte gehört nicht etwa einem windigen Investor, der sie aus Renditegründen leerstehen lässt, sondern der Humboldt-Universität (HU). „Ein mehrstöckiger Plattenbau mit rund 14.000 qm Nutzfläche in prominenter Lage in Mitte. Doch aufgrund der Sparmaßnahmen finden derzeit keine Bauarbeiten statt“, erläutert eine Sprecherin der HU auf Anfrage des MieterEchos. Denn der zuständigen Senatsbauverwaltung wurden die notwendigen Finanzierungsmittel in Höhe von rund 112 Millionen Euro Gesamtbaukosten vom Land Berlin im Rahmen der Sparmaßnahmen gesperrt. „Auch das auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche historische Hochschulgebäude, der sogenannte Thaer-Bau, weist erhebliche Mängel auf, die seit Jahren auf Bearbeitung warten“, so die Sprecherin weiter. Ein Jahr zuvor hatte es auch an der Technischen Universität einen heiklen Zwischenfall gegeben. Im Chemiegebäude an der Straße des 17. Juni ist nach einem Wasserrohrbruch die Decke heruntergekommen. Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt niemand im Raum. „Der Gebäudezustand ist potenziell tödlich“, sagt Gabriel Tiedje zum MieterEcho. Er ist hochschulpolitischer Referent des AStA der TU Berlin. Mit Kostenstand Mitte 2022 wird der Investitionsbedarf der elf staatlichen Berliner Hochschulen laut einer Untersuchung im Auftrag der Senatswissenschaftsverwaltung bis 2046 auf 8,2 Milliarden Euro beziffert. Größter Brocken ist die TU mit 2,4 Milliarden Euro, es folgt laut der Aufstellung die Freie Universität (FU) mit knapp 2,2 Milliarden Euro. Die HU beziffert die nötigen Bauinvestitionen derzeit auf 1,2 Milliarden Euro. Da die Baukosten seit Jahren durch die Decke gehen, sind die Zahlen längst überholt. Legt man den Baukostenindex für gewerbliche Gebäude des Statistischen Bundesamts zugrunde, liegt der Investitionsbedarf derzeit schon bei rund 9,4 Milliarden Euro.
