Liebe Leserinnen und Leser, wenn es um Eigenlob geht, ist Berlin stets vorneweg. „Als einer der führenden Wissenschaftsstandorte Europas ist Berlin vor allem für seine erstklassigen Forschungseinrichtungen und renommierten Universitäten bekannt“, kann man beim offiziellen Stadtmarketingportal „visitBerlin“ lesen. Mit seinen zahlreichen Universitäten und Fachhochschulen biete die Stadt „ein perfektes Umfeld für Wissenschaftler/innen und Studierende“ und schaffe „optimale Bedingungen für zukunftsweisende Projekte und Kooperationen“. Doch jenseits dieses Wortgeklingels sieht es eher düster aus. Ja, in Berlin gibt es insgesamt 49 Hochschulen mit rund 200.000 Studierenden, davon knapp 170.000 an den 14 Universitäten und Fachhochschulen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft bzw. als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Doch der Würgegriff der rigiden „Sparmaßnahmen“ des Berliner Senats trifft auch die Hochschulen mit voller Wucht und verschärft beträchtlich die Auswirkungen des ohnehin seit langer Zeit wachsenden Investitionsstaus. Teilweise können nicht mal mehr dringende bauliche Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden, und sogar die Einstellung einiger Studienangebote steht im Raum. Zu den „optimalen Bedingungen“ und dem „perfekten Umfeld“ gehört die prekäre Lage vieler Studierenden, sofern sie nicht durch ihren familiären Background auskömmlich finanziell gepolstert sind. Studieren wird daher wieder stärker zu einer Klassenfrage. Besonders dramatisch ist dabei der Mangel an bezahlbaren Unterkünften. Für weniger als 5% der Studierenden stehen Plätze in geförderten Wohnheimen zur Verfügung. Die Wartelisten werden immer länger und Abhilfe in Form von forcierten Neubauprogrammen ist nicht in Sicht. Auf dem privaten Markt sind die Preise, etwa für WG-Zimmer und andere Formen der Unterkunft, zudem regelrecht explodiert, der mittlere Preis liegt inzwischen bei 650 Euro pro Monat. Dazu kommt die permanente Unsicherheit, da es sich oftmals um mehr oder weniger informelle Mietverhältnisse handelt, ohne mietrechtlichen Schutz. Im Herbst beginnt das Wintersemester und alles deutet darauf hin, dass sich die Lage weiter verschärfen wird. Das MieterEcho hat den Themenkomplex studentisches Wohnen mit all seinen Facetten diesmal zum Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe gemacht. Auch um Anstöße zu liefern, wie sich Studierende gemeinsam mit anderen Betroffenen der dramatischen Wohnraumkrise zur Wehr setzen können. Denn die herrschende Politik setzt derzeit auf ganz andere Prioritäten. Da geht es vor allem um ökonomische und gesellschaftliche „Kriegstüchtigkeit“. Das wohlfeile Geplapper vom „führenden Wissenschaftsstandort“ und der „Studentenmetropole“ Berlin wird natürlich weitergehen, hat aber mit der bitteren Realität nichts mehr zu tun. Ihr MieterEcho