Liebe Leserinnen und Leser, der Souverän hat entschieden. Es wird nach der Bundestagswahl vom 23. Februar eine CDU-geführte Regierung mit Friedrich Merz als Bundeskanzler geben. Aller Voraussicht nach wird dieser Regierung neben der CDU-Schwesterpartei CSU auch die SPD als – bei der Wahl kräftig gerupfter – Koalitionspartner angehören. Die AfD agiert künftig als mit Abstand größte Oppositionspartei, vor den Grünen und den Linken. Ein ausformulierter Koalitionsvertrag mit Vorhaben für alle wichtigen Politikfelder liegt zwar noch nicht vor, aber einige Konturen dieser neuen Regierung sind bereits erkennbar. Der Weg zur „Kriegstüchtigkeit“ und somit auch zu einer Kriegswirtschaft soll fortgesetzt und forciert werden. Flankiert werden soll das unter anderem durch deutliche Einschnitte bei der sozialen Daseinsvorsorge und weitere Umverteilungen von unten nach oben. Die dringend benötigten Investitionen von bis zu dreistelligen Milliardenbeträgen in die Infrastruktur, die Digitalisierung, die Bildung, das Gesundheitswesen, die Pflege, den Bau bezahlbarer Wohnungen und den möglichst schnellen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger wird es dagegen nicht geben, von einem Ausbau der Mieterrechte ganz zu schweigen. Im Wahlkampf hat der Klimaschutz – anders als noch bei den letzten Wahlen – eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Auch in der Prioritätenliste vieler Menschen ist er deutlich nach hinten gerutscht. Dafür gibt es sicherlich verschiedene Gründe, aber einer der wichtigen war wohl auch das chaotische Agieren der abgewählten Ampel-Koalition – Stichwort „Heizungsgesetz“. Viele Menschen empfinden – paradox, aber nachvollziehbar – Maßnahmen zum Klimaschutz inzwischen als größere Bedrohung ihrer materiellen Existenz als den Klimawandel, obwohl dieser mittlerweile auch in unseren Breitengraden deutliche Auswirkungen hat.Das alles betrifft in hohem Maße auch Mieter/innen, von denen viele Angst haben, die Kosten – klimapolitisch zweifellos gebotener – energetischer Sanierungen und Modernisierungen nicht schultern zu können. Und was bei vielen Mieter/innen schlaflose Nächte und auch Wut mit sich bringt, sorgt bei den großen Playern der Immobilienbranche für freudige Erregung. „Wir werden energetisch schlechte Bestände übernehmen und sanieren“, kündigte Vonovia-Chef Rolf Buch in der Immobilien Zeitung an. In einer Kapitalmarktpräsentation des Konzerns ist von „Stranded Assets“ die Rede, die günstig übernommen und nach Modernisierungsaufwertung mit hohem Gewinn weiter verkauft werden sollen. Ganz im Geiste unseres neuen BlackRock-Kanzlers Friedrich Merz. Um diese Fragen geht es im Schwerpunktteil dieser Ausgabe, unter wissenschaftlichen, klimapolitischen, wohnungswirtschaftlichen und vor allem sozialen Aspekten. Und so viel schon mal vorweg: Draußen wird es allmählich wärmer, aber wir müssen uns verdammt warm anziehen. Ihr MieterEcho