In Berlin wird wenig über eine Begrenzung des Tourismuswachstums gesprochen. In Tourismushochburgen wie Barcelona und Amsterdam hingegen werden die Schrauben bei der Regulierung immer fester angezogen – nicht zuletzt aufgrund des Drucks aus der Bevölkerung. Der Weg zu einer erfolgreichen Eindämmung des Besucheransturms ist allerdings ein weiter.
Wann wird aus viel zu viel? Diese Frage stellt sich notgedrungen bei der Betrachtung der Tourismusentwicklung der letzten 20 Jahre. Nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen anderen Städten Europas. Nach dem kurzzeitigen Tourismuseinbruch durch die Corona-Pandemie befinden sich die Besucherzahlen längst wieder auf Rekordniveau. Gleichzeitig gehen an immer mehr Orten Menschen auf die Straße, um gegen steigende Wohnkosten und Immobilienpreise, Ausbeutung von Ressourcen oder den Ausverkauf der Städte zu demonstrieren. Richtet man den Blick auf die Städte, in denen die Belastungsindikatoren Tourismusdichte und Tourismusintensität bereits über denen von Berlin liegen, zeigt sich, dass hier bereits ein anderes Bewusstsein bei den politisch Verantwortlichen zu der Notwendigkeit der Regulierung des Tourismuswachstums besteht – mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten. In diesem Sommer haben vor allem die Proteste in Barcelona für zahlreiche Schlagzeilen und internationales Aufsehen gesorgt. Dabei hatte die Stadt bereits seit Mitte der 2010er Jahre Bemühungen intensiviert, um den immer stärker zunehmenden Besucheransturm einzudämmen. Die damalige von Ada Colau, Bürgermeisterin und Aktivistin der links-alternativen Plattform Barcelona en Comú, geführte Stadtregierung entwickelte ein umfassendes Konzept zur politischen Steuerung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung und erließ auf dieser Grundlage in den Folgejahren immer wieder neue Formen der Regulierung. Viele der Maßnahmen erscheinen eher als Linderung der negativen (Wachstums-) Symptome, wenn es beispielsweise darum geht, im Zuge eines crowd managements die Größe von Touristengruppen bei Führungen im Stadtzentrum zu reduzieren, die Ankünfte von Kreuzfahrtschiffen zu beschränken, einzelne Straßenzüge temporär für Besucher/innen zu sperren oder das Ordnungspersonal aufzustocken.
