In Marzahn-Hellersdorf brodelt es stadtentwicklungspolitisch. Gleich mehrere Großprojekte stehen womöglich vor dem ersten Spatenstich, etwa am Helene-Weigel-Platz (HWP) und an der Allee der Kosmonauten. Geplant ist neuer Wohnraum. Für viele Anwohner/innen bedeutet das vor allem eines: eine Drohkulisse. Ortstermin am HWP in Marzahn-Süd. Der Platz, von Ortsansässigen liebevoll „Heli“ genannt, gilt als Eingangstor des Ortsteils. Entworfen vom renommierten DDR-Architekten Wolf R. Eisentraut, rahmen drei Hochhäuser mit jeweils 23 Stockwerken das Areal in großzügigem Abstand. Auf der Westseite befindet sich ein Nahversorgungszentrum mit Parkplatz, auf der Ostseite das verfallene Kino „Sojus“. Im Zentrum steht das Rathaus mit verklinkerten Betonsäulen, die sich wie stilisierte Ähren nach oben gabeln – ein Vorzeigeobjekt der DDR-Moderne. Doch die steinerne Ruhe trügt. Unter den Betonplatten liegt Zündstoff: Investoren wittern Rendite, Bezirkspolitiker/innen sehen Chancen – oder Risiken. Und Anwohnerinitiativen kämpfen um ihren Sozialraum. Zwei Projektentwickler planen die Umgestaltung des HWP: die niederländische Ten Brinke Group und der luxemburgische Fonds Vivion Investments. Auf beiden Seiten des Platzes sollen vier Wohntürme mit bis zu 15 Geschossen entstehen – rund 430 Wohnungen für etwa 1.000 Menschen. Ten Brinke übernimmt den westlichen Abschnitt. Der bestehende Flachbau mit Supermarkt und Arztpraxen soll abgerissen werden. Geplant sind zwei Türme mit 250 Mietwohnungen. Vivion will im Osten das Kino beseitigen und zwei elfgeschossige Türme errichten, mit 180 Einheiten sowie Geschäften und Büros. Wer sind die Eigentümer? Das Stadtentwicklungsamt des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf verweist auf Datenschutz. Dennoch lässt sich das Firmengeflecht entwirren: Der westliche HWP gehört laut Grundbuch der „Helene-Weigel-Platz S.à.r.l.“ mit Sitz in Luxemburg. Der östliche Teil ist im Besitz des Landes Berlin – mit Ausnahme des Kinos, das der Regie Bauträgergesellschaft mbH gehört. Ten Brinke soll das Areal nach Planreife übernehmen und die Neubauten später an die landeseigene Berlinovo veräußern, berichtet ein Insider gegenüber dem MieterEcho. Ein städtebaulicher Vertrag existiere bereits, bestätigt Pascal Grothe, grüner Fraktionssprecher für Stadtentwicklung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), auf MieterEcho-Nachfrage.
