Der Architekt Marek Czyborra hat in Kopenhagen viel gelernt und mit dem Entwurf von czyborra klingbeil architekturwerkstatt mbB mit OS arkitekter gemeinsam beim Wettbewerb zum Molkenmarkt gewonnen. Das ME berichtete bereits darüber, u. a. auch, warum dieser Entwurf bisher nicht in die Realisierungsphase ging. Heute sind wir zum Interview verabredet, um über Möglichkeiten und Erfahrungen im sozial-ökologischen Bauen zu sprechen.
MieterEcho: Das Thema dieses Heftes ist der Klimawandel in dieser Stadt und natürlich weltweit. Wie würden Sie diesen Prozess beschreiben?
Marek Czyborra: Der Klimawandel ist längst Realität, und wir erleben bereits seine Folgen: Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hitze und Dürre nehmen zu. Städte müssen sich dringend anpassen – mit mehr Grün, Wasserretentionsflächen und einer durchdachten Stadtnatur. Das verbessert das Mikroklima und macht die Stadt lebenswerter, besonders für Menschen mit wenig Wohnraum, die auf hochwertige öffentliche Außenräume angewiesen sind. Städte wie Paris oder Barcelona zeigen, dass Klimaanpassung im Kiez auch soziale Vorteile bringt. Doch Anpassung allein reicht nicht. Der Gebäudesektor gehört zu den größten Verursachern von CO2-Emissionen, Ressourcenverbrauch und Abfall. Trotz jahrzehntelanger Erkenntnisse bleibt der Trend unverändert. Effizienzsteigerungen haben oft sogar zu mehr Verbrauch geführt. Wir brauchen eine konsequente sozial-ökologische Bauwende. Angesichts des steigenden Wohnraumbedarfs ist klima- und ressourcenschonendes Bauen dringender denn je. Unser Büro setzt seit Jahrzehnten auf nachhaltige Architektur mit Fokus auf modernen Holzbau. Holz speichert CO2, ist emissionsarm und wohngesund. Mit unseren urbanen Holzbauprojekten haben wir wichtige Impulse für ein klimagerechtes innerstädtisches Bauen gegeben. Ein zentrales Problem ist die bisherige Preisstruktur: Umweltbelastende Baustoffe sind oft die günstigsten, weil ihre Schäden nicht eingepreist werden. Gewinne werden privatisiert, während die Allgemeinheit die Folgekosten trägt. Wir brauchen eine Preispolitik, die ökologische Folgen einbezieht – das wäre der effektivste Hebel für eine echte Bauwende. Gleichzeitig muss Stadtentwicklung als gemeinsame Aufgabe verstanden werden: Nur durch interdisziplinären Dialog und den Einsatz besten Wissens können wir Städte schaffen, die nachhaltig und lebenswert sind.


