Sie kommen mit klackernden Rollkoffern, bleiben oft nur wenige Tage in Berlin, fallen aber immer wieder durch negatives und rücksichtsloses Verhalten auf: Tourist/innen. Nach der pandemiebedingten Zwangsverschnaufpause sind der Tourismus und die damit verbundenen Probleme in den Kiezen wieder zurück, zu Teilen sogar schärfer als zuvor.
Vor allem in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte und Nord-Neukölln bekommen die Bewohner/innen die Auswirkungen der stetig steigenden Touristenzahlen in Berlin deutlich zu spüren. Die Verschmutzung von Parks und Plätzen sowie der Lärm überfüllter Kneipen und umherziehender Partytourist/innen sind dabei nur die offensichtlichsten Probleme. Dazu kommt der Wildwuchs von touristischen Unterkünften. Der anhaltende Tourismusboom kann ganze Kiezstrukturen nachhaltig verändern und die Bewohner/innen einem hohen Leidensdruck aussetzen. Den Bezirken fehlen die Instrumente zur Steuerung und Regulierung des Marktes, um bestehende Nutzungs- und Bewohnerstrukturen zu schützen. Investor/innen beweisen immer wieder ihre Macht in der Stadt. Der Tourismus prägt seit vielen Jahren die Stadtentwicklungsprozesse in Berlin maßgeblich mit. Mit Begriffen wie Touristifizierung und Overtourism werden diese negativen Entwicklungen zusammengefasst: Sie beschreiben die komplexen Prozesse, bei denen das Eingreifen verschiedener Akteur/innen und vor allem eine hohe Zahl von Tourist/innen dazu führen, dass sich ein Gebiet so verändert, dass es insbesondere den Bedürfnissen der Tourist/innen und weniger denen der Bewohner/innen entspricht. Nach dem Motto: Mehr Happy-Hour und weniger Buchladen. Das führt zur Verschlechterung der Lebensqualität für die Bewohner/innen.


