Zeitungslesend saß ich neulich auf meinem Balkon, und es fröstelte mich. Mein solares Balkonkraftwerk, welches am Balkongitter angehängt war, nahm mir die ersten Sonnenstrahlen. Die wärmten mich eigentlich viel zu früh. Sangen wir doch früher „Im Märzen die Bauer“ und nicht im Januar. Als Spross einer osteuropäischen Bauernfamilie beunruhigt mich die zunehmende Klimakrise schon seit Jahren. Nun hatte ich einen echten Widerspruch auszutragen, hier auf dem Balkon, zeitungslesend im Schatten des Balkonkraftwerkes.
Ich musste sparen für diesen sehr persönlichen Einsatz. Und es blieb ein Restzweifel, ob die Investition in ein Balkonkraftwerk mein persönliches Unbehagen mit der sich zuspitzenden Klimakrise mindern würde. Gut, ich war weder von Stürmen, Hochwasser oder Feuerwalzen persönlich betroffen. In einem Hochhaus in Berlin war damit nicht zu rechnen. Aber eine meiner besonderen Eigenschaften ist Empathie und Solidarität, glaube ich jedenfalls. Und so sparte ich auf ein Balkonkraftwerk und teilte seitdem die Sonne für die Bewältigung der Klimakrise mit meinem ersten Sonnenhunger, nun schon im Januar. Mein Sonnenhunger und mein Kampf gegen die Klimakrise gingen dabei einen Zweikampf ein. Aber frieren für bzw. gegen die Klimakrise – das ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt. Wie kleinlich kann ich nur sein. Also Jacke angezogen und Zeitung gelesen und damit durch Bildung Konflikte aufgelöst. In der Tat, nicht nur ich, sondern die ganze Stadt war im Taumel gegen diese Klimakrise. Die Schwammstadt war in Planung. Die Regierung gab nicht nur Baugenehmigungen für weitere Versiegelung, sondern fing auch an, darüber nachzudenken, wo eine Fläche entsiegelt werden kann, damit das Regenwasser durchsickert. Prima! Dann sind auch viel mehr Trinkbrunnen geplant, damit bei Starkhitze auch wirklich jeder Obdachlose ausreichend Wasser hat. Beruhigend! Denn es werden sicher noch mehr ihre Wohnung verlieren, seitdem die Wohnung eine Kapitalinvestition geworden ist.

