Du rackerst dich ab auf Arbeit, du schrubbst Überstunden – und trotzdem bleibt am Monatsende nichts übrig. Kurz, trotz Job bist du arm und wirst stetig ärmer. Ein Grund: Miete samt Nebenkosten belasten übermäßig das Budget von immer mehr Privathaushalten. Oder wie der Paritätische Gesamtverband jüngst in einer Studie belegt hat: „Wohnen macht arm. “ Nicht zuletzt, weil die Kosten für Wohnraum schneller seitens der Vermieter erhöht werden, als die Einkommen der Beschäftigten steigen. Auch zu viele Jobs bringen bei zu vielen Mieter/innen zu wenig ein. Und mit der Formel, Einkommen um die Wohnkosten zu bereinigen, wird erst das ganze Ausmaß der Armut sichtbar – als Wohnarmut.
Deutschland ist bekanntlich ein klassisches Mieterland. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger/innen lebt zur Miete, das sind etwa 42 Millionen Personen. Und diese verteilen sich auf rund 21 Millionen Mieterhaushalte und haben im Schnitt ein niedrigeres Einkommen als Wohneigentümer. Viele sind Geringverdiener/innen und gehören zum untersten Drittel auf der Einkünfteskala. Hinzu kommt, die Bundesrepublik ist gespalten, unter anderem in Ost und West. Zwischen 1990 und 2001 sprang die Mietbelastung im Osten der Republik von lediglich vier auf rund 25%, berichtete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Oktober vergangenen Jahres. Danach habe sich die Mietbelastung in Ost- und Westdeutschland annähernd parallel entwickelt. Und in Berlin? 2022 lebten in der Bundeshauptstadt 1.672.000 Haushalte in Mietwohnungen, 304.000 als Eigentümer in den eigenen vier Wänden, so das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg im Juli 2024 auf Basis des „Mikrozensus Wohnsituation“. Und das Institut für „Angewandte Sozialforschung und urbanes Management“ (Asum GmbH) hatte dem RBB zufolge im Mai des zurückliegenden Jahres berechnet, dass rund ein Drittel der Berliner Miethaushalte etwa 45% ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete ausgeben müssen. Das heißt, die sogenannte Ein-Drittel-Faustregel greift bei knapp der Hälfte der hauptstädtischen Privathaushalte nicht. Denn laut Wohnungsunternehmen und Maklerbüros sollten Mietkosten unterhalb der 33%-Schwelle des Nettoeinkommens liegen.

