Als der Internetkonzern Google am 24. Oktober mitteilte, dass er auf die geplante Errichtung eines Campus für Start-ups im alten Umspannwerk in der Ohlauer Straße in Kreuzberg verzichtet, jubelten die zahlreichen Kritiker/innen des Projekts. Örtliche Aktivist/innen sprachen von einem großen Erfolg der anhaltenden Proteste gegen den Google-Campus. Der zuständige Bezirksstadtrat Florian Schmidt (B90/Grüne) nannte es einem „Wendepunkt in der kontroversen Debatte“, da Google auf die Forderungen der Nachbarschaft eingegangen sei. Auch Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (B90/Grüne) merkte an, die neuen Pläne zeigten „die zunehmende Bedeutung von sozial und ökologisch orientierten Unternehmen und der nicht gewinnorientierten Ökonomie in Berlin“.
Auch Ulrike Schneider, die Sprecherin der Initiative „Google Campus & Co verhindern“ sprach von einer erfreulichen Entwicklung. Man habe den Campus „durch einen breiten und vielfältigen Widerstand von Anwohner*innen und Aktivist*innen mit vielfältigen Mitteln – darunter Demonstrationen, Kundgebungen, Farbbeutelwürfe, Sprühereien, Transparente, Infostände, Plakate, Flugblätter und die Besetzung Anfang September – verhindert“. Die Initiative hofft, „dass auch der Protest für eine Stadt für alle durch die erfolgreiche Verhinderung des ‚Google Campus‘ gestärkt wird“.
Die Berliner Oppositionsparteien CDU und FDP zeigten sich betrübt. Für den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion Christian Gräff ist die Entscheidung von Google ein „schmerzhafter Tiefschlag“. Der Konzern sende „ein fatales Signal in die ganze Welt, wie investorenfeindlich Berlin unter Rot-Rot-Grün inzwischen geworden ist“. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja bezeichnete das neue Nutzungskonzept als „schön geredete Resignation“.
Google zieht sich allerdings keineswegs aus dem Projekt zurück. Im Gebäudekomplex entsteht jetzt das sogenannte „Haus für soziales Engagement – Begegnungsstätte für die Zivilgesellschaft“. Der Konzern finanziert den kompletten Umbau, die Ausstattung und die Mietkosten für die ersten fünf Jahre, insgesamt 14 Millionen Euro. Die Eröffnung soll im kommenden Frühjahr erfolgen.
