Dass sich die AfD für Belange des Mieterschutzes nicht die Bohne interessiert, sollte eigentlich allgemein bekannt sein. Im Gegenteil: Kern ihres wohnungspolitischen Programms ist die Förderung von Wohneigentum, auch durch Verkäufe von Wohnungen aus kommunalen Beständen an entsprechend solvente Mieter/innen.
Abgeordnete der AfD unterstützten 2020 im Bundestag die Klage von CDU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel, auch eine Bundesratsinitiative für einen Mietenstopp lehnte die Partei im September 2021 ab. Ihr damaliger Spitzenkandidat Tino Chrupalla erklärte: „Der Staat soll nicht Vermieter bei Investitionen hemmen, sondern mit Anreizen dafür sorgen, dass Mieter selbst Wohneigentum erwerben.“ Und Marc Bernhard, baupolitischer Sprecher der AfD, sagte dem Sender ZDFheute: „Ein sogenannter Mietenstopp ist ein völlig kontraproduktives Instrument aus der sozialistischen Mottenkiste und entspricht dem volkswirtschaftlichen Verständnis von Honecker und Castro.“ Dennoch gelingt es der Partei zunehmend, auch in urbanen Ballungsgebieten mit stetig steigenden Mieten und hohem Verdrängungsdruck immer mehr Anhänger/innen zu gewinnen. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine im Januar veröffentlichte Studie des Politikwissenschaftlers Denis Cohen vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung und seiner Kollegen Tarik Abou-Chadi (Universität Oxford) und Thomas Kurer (Universität Zürich). Demnach tendieren vor allem einkommensschwache Langzeitmieter/innen in städtischen Gebieten stärker zur AfD, wenn die Mietpreise in ihrem Wohnumfeld steigen. Die Wahrscheinlichkeit dieser politischen Orientierung erhöhe sich um bis zu vier Prozentpunkte, wenn die durchschnittlichen Mieten in ihrer Nachbarschaft um einen Euro/qm oder mehr stiegen, heißt es in der Studie. Dies gelte auch für Menschen, die von den Mieterhöhungen bislang gar nicht direkt betroffen seien.
