Am 1. Januar 2005 trat „Hartz IV“ in Kraft und hat die Sozialsysteme brachial verändert. Bei der nach dem damaligen VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz benannten Maßnahme handelte es sich um mehr als um eine arbeitsmarktpolitische Reform, wie sie vor allem in Wirtschaftskreisen zuvor gefordert wurde. Ein zentrales Kapitel von Hartz IV regelte die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Die Schlagworte lauteten „fördern“ und „fordern“ . Ersteres bezog sich auf die Unterstützung bei der Jobsuche, Letzteres auf die Peitsche der Sanktionen, mit denen Menschen diszipliniert werden sollten, die sich angeblich oder tatsächlich zu wenig um einen Job kümmerten.
Tatsächlich war dies eine Maßnahme, die das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit wesentlich zuungunsten der Lohnabhängigen veränderte. Sie wurde über viele Jahre von wirtschaftsnahen Instituten und Medien vorbereitet, die gegen angeblich zu hohe Ansprüche in der Gesellschaft polemisierten. Gemeint waren nicht etwa die Kapitalvertreter/innen. Im Gegenteil: Deren Profit sollte wachsen. Den Gürtel enger schnallen sollten die Lohnabhängigen insgesamt, nicht nur die Erwerbslosen, wie es in der Öffentlichkeit oft dargestellt wurde. Es entstand ein riesiger Niedriglohnsektor. Seit dem Sommer 2004 entwickelte sich ausgehend von Ostdeutschland eine massive Protestwelle, die unter dem Motto stand: „Schluss mit Hartz IV – denn heute wir, morgen ihr“. So lautete die zentrale Parole, die der erwerbslose Bürokaufmann Andreas Ehrholdt im Juli 2004 auf Plakate malte, mit denen er zu den ersten Montagsdemonstrationen nach Magdeburg aufrief. Damit traf er den Nerv vieler Menschen. Erst kamen einige Hunderte, und bald gingen auch in vielen anderen ostdeutschen Städten Tausende auf die Straße. In der Hochphase am 30. August 2004 demonstrierten in über 200 Städten mindestens 200.000 Menschen gegen das Hartz IV-Gesetz.

