In einer angeblich „wertebasierten“ Demokratie ist das Menschenrecht auf Wohnen ein seltener Schatz. Angesichts der Schwierigkeiten, preiswerten Wohnraum zu finden, bleibt dieser Schatz den meisten Menschen verwehrt. Nun sind Menschenrechte nicht teilbar, d. h. die Meinungsfreiheit kann nicht gegen das Menschenrecht auf Wohnen aufgewogen werden. Dennoch diskutiert es sich in der Obdachlosigkeit nicht so gut und kultiviert wie auf der Couch im Eigenheim. Gern werden wohnungslose Menschen als Verlierer/innen der Gesellschaft angesehen. Der Zusammenhang zwischen Armut und z. B. Zwangsräumung wegen Eigenbedarf liegt auf der Hand. Wer davon betroffen ist, sieht die Obdachlosigkeit heranziehen. Immer häufiger treibt die Eigenbedarfsklage Menschen in den Selbstmord oder in handlungsunfähige Zustände. Angesichts der dramatischen Lage auf dem Wohnungsmarkt sei ein Blick in die Geschichte erlaubt. Wie hat eigentlich die DDR seinerzeit die Wohnungsfrage gelöst? Zunächst hat die Regierung das als zentrale Frage für die weitere Entwicklung der Gesellschaft definiert, mit der Leitlinie: „Jedem eine Wohnung.“ Der gesellschaftliche Anspruch „Jedem seine Wohnung“ sollte der Zukunft vorbehalten bleiben. Einige werden da innerlich aufschreien und eine Gleichmacherei wittern. „Das ist doch wettbewerbsverzerrend“, grummelt es auf der Couch im Eigenheim. Auf der Straße aber schüttelt man den Kopf. Hier wären es paradiesische Zustände, wenn jedem eine Wohnung zur Verfügung stünde. Hier sind wir an einer zentralen Frage: Soll das Wohnen zum Gemeingut werden, auf das jede/r Anspruch hat? Obdachlosigkeit ist die Kehrseite einer an Profiten orientierten Investorenpolitik mit Wohnungen sowie mit Grund und Boden. Eine auf Menschenrechten basierende Wohnungspolitik orientiert sich aber an dem Ziel „Wohnungen für alle“. Doch wie ging das nun in der DDR? Der sozialistische Staat hatte den großen Vorteil, dass Grund und Boden kein Spekulationsobjekt in den Händen weniger waren, sondern sich in kommunaler Hand befand. Darum konnte der Wohnungsbau auch geplant und mit den Möglichkeiten des seriellen Bauens industriell realisiert werden.

