Samwer-Bruder plant Neubau auf den Uferhallen
Investoren stellen Bebauungspläne vor, Künstler/innen fürchten Verdrängung
Volles Haus im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Mitte. Rund 60 Kreative und Unterstützer/innen des Weddinger Kunst- und Kulturstandortes Uferhallen kamen am Mittwochabend ins Rathaus Mitte. Der Bezirk hatte die Uferhallen AG geladen, die ihre Pläne Areal vorstellte. Neubauten mit einer Gesamtfläche von 16.000m² planen die Investoren für das Gelände. Der Entwurf des Architektenbüros Ortner und Ortner Baukunst, das auch den Wettbewerb für den Neubau des Siemenscampus in Spandau gewann und das Wohnhochhaus Alexander Capital Tower am Alexanderplatz entwarf, sieht ein bis zu 45 Meter hohen Turm, sechs mehrgeschossige Neubauten und einige Geschossaufstockungen vor. Größere Abrisse sind auf dem weitgehend denkmalgeschützten Gelände nicht vorgesehen. Die Ateliers und Kulturstätten auf dem Areal sollen erhalten bleiben, aber umfassend instandgesetzt und modernisiert werden. Die mehr als 150 auf dem Areal arbeitenden und wohnenden Kulturschaffenden fürchten eine Verdrängung durch steigende Mieten und forderten eine langfristige Sicherung der kulturellen Nutzung durch einen Erbpachtvertrag mit mindestens 60 Jahren Laufzeit. Zudem schlugen sie eine Teilung des Geländes vor. Die Eigentümer lehnten diese Vorschläge ab. Das Bezirksamt stellte die Aufstellung eines Bebauungsplans und den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags in Aussicht.
Zu Beginn der Sitzung wies Baustadt Eprahim Gothe (SPD) auf die Geschichte der Uferhallen hin, die bis 2006 in der Hand der BVG und im Zuge der Privatisierungswelle der 2000er Jahre verkauft wurde. Die neuen Eigentümer/innen entwickelten das Areal zu einem kunstaffinen Standort mit niedrigen Mieten. 2017 übernahm die Augustus Capital Management GmbH, ein Asset Management Unternehmen an dem einer der Samwer Brüder beteiligt ist, das Gelände in einem Bieterverfahren zum Höchstgebot von 30 Millionen Euro. Es ist die bereits vielfach erzählte Geschichte in der die kreative Nutzung eines ehemaligen Industriegeländes zum Vehikel der Inwertsetzung und schließlich zur bloßen Kulisse der Kapitalverwertung wird. Seither führen der Bezirk, Investoren und Vertreter der Künstler/innen Verhandlungen über ein zukünftiges Nutzungskonzept. Der Vorstand der Uferhalle AG Felix Fessart stellte zu Beginn seines Vortrags klar: „Wir sind Eigentümer die nicht verkaufen“. Man teile die Forderungen der Künstler/innen nach Selbstverwaltung, Bezahlbarkeit und Langfristigkeit. Ein Dissens bestehe aber über die konkreten Inhalte die sich dahinter verbergen. Ziel der Investoren sei es den Kulturstandort weiter zu befördern und durch Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen sowie einen Atelierinnenausbau eine langfristige Nutzbarkeit der bestehenden Flächen als Ateliers sicherzustellen. Fessart machte klar, dass während der Bauphase mehrfache Umsetzungen von Werkstätten notwendig seien. Die Künstler/innen sollten aber während der gesamten Bauphase auf dem Areal bleiben können. Ob die angesichts der Beschwerlichkeiten mehrfacher Umzüge aber bleiben können, wird sich zeigen. Als Betreiberin soll eine gemeinnützige Gesellschaft eingesetzt werden die individuelle Einzelmietverträge mit Laufzeiten zwischen einem und 20 Jahren abschließen soll. Zu den angestrebten Miethöhen machte der Eigentümer keine genauen Angaben. Ein erstes Angebot in Höhe von 8 Euro/m², das weitere Aufschläge von 4,50 Euro/m² sowie einer jährlichen Staffelung vorsah, hatten die Kreativen als nicht leistbar abgelehnt. Derzeit beläuft sich die mittlere Miete auf 4,20 Euro netto kalt bei einer durchschnittliche Ateliergröße von 75m². Über die konkrete Nutzung der Neubauten ließ der Investor die Anwesenden im Unklaren. Fessart äußerte aber Sympathie gegenüber dem Vorschlag das als „allgemeines Wohngebiet“ deklarierte Gelände in einem B-Plan Verfahren zu einem Gewerbestandort umzuwidmen.



