Mietspiegel 2013 im Vergleich zum Mietspiegel 2011
Der letzte Mietspiegel wurde von der durch ihre wohnungspolitische Abstinenz zu zweifelhaftem Ruhm gekommenen Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verkündet. In diesem Jahr hatte ihr Nachfolger Michael Müller (SPD) seinen großen Auftritt. Über anderthalb Jahre ist er im Amt und hat in der Zeit immerhin erkannt, dass der Wohnungsmarkt nicht mehr als entspannt zu bezeichnen ist. Das war auch alles, wenn man davon absieht, dass ihn diese Erkenntnis veranlasst hat, mit dem sogenannten Mietenbündnis quasi ein Bündnis mit sich selbst abzuschließen und den Vorentwurf eines Stadtentwicklungsplans Wohnen zu liefern. Bei solchen wohnungspolitischen Großtaten ist es kein Wunder, dass die Mieten steigen. Die aus allen Ländern dieser Erde angelockten Investoren haben in Berlin freie Bahn und die nutzen sie, wie der Mietspiegel zeigt.
Das Tabellenschema hat sich gegenüber dem Mietspiegel von 2011 verändert. Aus elf Spalten wurden sieben. Verschwunden ist die Spalte der Halbstandardwohnungen bis 1918. Die ortsübliche Vergleichsmiete der rund 75.000 Wohnungen dieser Kategorie wird durch einen Abschlag von 1,28 Euro auf die entsprechenden Felder der Spalte für die Vollstandardwohnungen bis 1918 gebildet. Das gleiche Prinzip wird bei den ebenfalls verschwundenen Halbstandardwohnungen der Baualtersklasse 1919 – 1949 angewendet. Hier beträgt der Abschlag 1,48 Euro.
Die Spalten der Neubauwohnungen 1950 – 1955 und 1956 – 1964 wurden zusammengefasst, desgleichen die Spalten 1973 – 1983 West und 1984 – 1990 West. Wegen der eingeschränkten Vergleichbarkeit werden nur vier Baualtersklassen näher betrachtet.
Baualtersklasse bis 1918
Das Wohnen im Altbau entwickelt sich zum Luxus. Hatte der Mietspiegel 2011 bereits eine Steigerung von rund 10% ausgewiesen, setzt sich diese Tendenz weiter fort. Die Wohnlagen – einfach, mittel, gut – gleichen sich im Durchschnitt immer mehr an. Bei den Wohnungen bis 40 qm in einfacher Lage wurden 17% Mietsteigerung festgestellt und die Mieten der Wohnungen von über 40 bis 60 qm sind sogar um 19% gestiegen.
Dabei handelt es sich um Wohnungen, wie sie unter anderem in Neukölln zu finden sind. Die Untersuchungen des Planungsbüros Topos in diesem Bezirk haben teilweise bereits vor Jahren Mietsteigerungen in dieser Höhe festgestellt. Jetzt werden sie durch den Mietspiegel bestätigt. Eine kleine von der Bezirksgruppe Neukölln der Berliner MieterGemeinschaft durchgeführte Untersuchung verdeutlicht die Ursache. Das ehemals rote Neukölln wurde zum Liebling der Immobilienbranche. Kleine und mittlere Investoren überfluten den Bezirk auf der Suche nach renditeträchtigen Altbauten. Meistens gelingt ihnen die lukrative Verwertung zulasten der Mieter/innen nach dem Schema Ankauf, Modernisierung und Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Im Wedding, in Moabit und anderen Stadtteilen ist das gleiche Muster zu finden. Die Forderungen nach einer Umwandlungsverordnung, die diesem Treiben wenigstens teilweise Einhalt bieten könnte, werden von den im Senat vertretenen Parteien nicht wahrgenommen.



