Ein Buchladen, eine Bäckerei, ein Haus mit politischen Projekten – das sind nur die derzeit öffentlich umkämpften Projekte im östlichen Kreuzberg. Von Vertreibung bedroht, oder sogar schon vertrieben, sind viele weitere Gewerbe. Nun laufen Mobilisierungen der Nachbarschaften.
„Nun hat die Gentrifizierung auch uns erreicht.“ Diese Feststellung steht auf einem Blatt Papier, das der Buchladen „Kisch & Co“ in eines seiner großen Schaufenster gehängt hat. Der Laden in der Kreuzberger Oranienstraße ist für manche Menschen eine Institution. Er bietet eine besonders große Auswahl an Zeitschriften und Zeitungen und aufgrund seiner Größe auch viele Literatursparten: politische wie unpolitische Sachbücher und Romane, Berlin-Bücher, Bildbände, Reiseführer, Kinderliteratur.Nach 20 Jahren soll nun bald Schluss damit sein. Die Immobilienfirma des Milliardärs Nicolas Berggruen will den Ende Mai auslaufenden Vertrag mit „Kisch & Co“ nicht wieder verlängern. „In dem Brief von Anfang Januar steht, wir hätten unterschiedliche Vorstellungen über die marktübliche Miete“, sagt Thorsten Willenbrock, einer der beiden Geschäftsinhaber. Der 52-Jährige und die Vermieterfirma schildern auf Anfrage übereinstimmend, dass die Hausverwaltung ein Angebot für einen neuen Fünfjahresvertrag machte, das eine Mieterhöhung um 16 Prozent enthielt. „Das ist im Vergleich zu anderen Fällen gar nicht mal so viel,“ findet Willenbrock. „Aber das übersteigt unsere Möglichkeiten.“ Zum einen leidet der Buchhandel generell unter der Konkurrenz von Versandhändlern mit Internetpräsenz. Zum anderen kann er wegen der Buchpreisbindung nicht die Verkaufspreise erhöhen. „Kisch und Co“ habe dann erfolglos ein Gegenangebot mit einer um 4,5 Prozent erhöhten Miete gemacht, berichtet Willenbrock weiter.Die Eigentümerfirma bezeichnet ihr Vertragsangebot von 20 Euro pro Quadratmeter nettokalt auf Anfrage als "bewusst fair kalkuliert", denn in der Umgebung seien die Mieten deutlich höher. Sie bestätigt zudem, dass ein Brillenhersteller bereits einen Mietvertrag für die Räume von „Kisch & Co“ unterschrieben hat.Der Buchhändler weiß noch nicht, wie er nun vorgehen wird. Eine Angestellte des berühmten Berggruen-Museums im Stadtteil Charlottenburg habe eine Anfrage an Nicolas Berggruen persönlich abgewiesen. Einen Ersatzraum in der Oranienstraße zu finden, sei „illusorisch“, in der ganzen Umgebung seien die Mieten zu hoch.




