Bauausstellung des Kapitals?
Die bisherigen Ideen für eine Internationale Bauausstellung 2020 bleiben diffus
„Keine Tricks mehr“
steht auf den gelben Plakaten, mit denen die Mieter/innen von Sozialwohnungen aus Kreuzberg und Mitte die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) begrüßen. Die Sozialwohnungen wurden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984 gebaut, heute droht den Mieter/innen durch drastische Mieterhöhungen die Verdrängung. In manchen Gebäuden steht bereits die Hälfte der Wohnungen leer, aber neue, zahlungskräftigere Mieter/innen haben sich noch nicht gefunden. Berlin hat seinen Sozialen Wohnungsbau abgeschafft, der ein wesentlicher Bestandteil der vergangenen Berliner Bauausstellungen war. Der Berliner Senat plant eine neue Bauausstellung für das Jahr 2020. Unter dem Motto „IBA meets IBA“, der Begegnung der neuen mit den alten IBA-Ideen, steht das Expertenforum, vor dem Junge-Reyer am 18. April 2011 im Heimathafen Neukölln sprach. Die Begegnung zwischen den Bewohner/innen der IBA-Häuser der Vergangenheit und der IBA-Planerin der Zukunft war eine äußerst flüchtige. Die Senatorin würdigte die Protestierenden keines Blickes.
Tempelhofer Feld im Fokus
Ob in Berlin tatsächlich die IBA 2020 stattfinden wird, ist noch keine beschlossene Sache. Seit September 2010 arbeitet ein siebenköpfiges „Prae-IBA-Team“ an den Leitideen einer künftigen Bauausstellung. Seit Ende Januar finden im „IBA Studio“ im Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof regelmäßig öffentliche Diskussionen über die Leitideen statt. Denn die Randbereiche des Tempelhofer Felds sind es, auf denen die IBA-Bauten entstehen könnten. Ende Mai soll ein Konzept vorliegen, auf dessen Grundlage der Berliner Senat sich für oder gegen die Ausstellung entscheiden will. Doch wie wird diese Entscheidung getroffen? Werden die hinter der IBA stehenden Ideen entscheidend sein oder die finanzielle Machbarkeit in einer Stadt, die gerne auf ihre leeren Haushaltskassen verweist, zumindest dann, wenn es um Ausgaben im sozialen Bereich oder um Wohnungsbau geht?
Motto „Stadtkapital“
Das Expertenforum am 18. April steht auch unter dem Motto „Stadtkapital“. Was ist darunter zu verstehen, ein vollständig marktförmiges Verständnis von Stadt? Die Regierenden als Unternehmer, die ihre Stadt als Kapital möglichst gewinnbringend einsetzen? Martin Heller, Mitglied des Prae-IBA-Teams weist den Vorwurf, er und seine Kolleg/innen würden Stadtmarketing betreiben, prophylaktisch von sich. Doch das, was sich die Planer/innen unter „Stadtkapital“ vorstellen, bleibt an diesem Abend merkwürdig nebulös. Heller spricht von einer Auseinandersetzung mit den „Vermögen der Stadt“, die aber nicht in Geld zu beziffern, sondern als Talente zu beschreiben seien. Seine Kollegin Sonja Beeck betont, dass diese IBA nicht von den Problemen der Stadt her gedacht werden solle, sondern von ihren Potenzialen. Werden die offenkundigen Probleme der Stadt hier von vornherein ausgeklammert, weil man schon gar nicht mehr glaubt, sie bewältigen zu können?



