Heute wie vor 25 Jahren – der Berliner Wohnungsmarkt macht’s möglich
Wer zu dieser Zeit eine Wohnung suchte, der stand vor astronomischen Ablösesummen, ein persönliches Beispiel aus meiner damaligen Suchzeit: 2-Zimmer-Wohnung in Berlin Wedding, 55 qm (an die Miethöhe kann ich mich leider nicht mehr erinnern), Ablösesumme an den Vermieter sollten 5.000 DM sein, für eine kaputte Waschmaschine und einen stark verschmutzten Teppichboden in fleckenbraun … natürlich zuzüglich der Maklerprovision für diese fantastische Wohnung. Das war kein Einzelfall. Ich habe damals dann nach langem Suchen eine Wohnung in Alt-Moabit gefunden, Hinterhaus, kein Bad, aber immerhin Innentoilette und bereits Gasheizung im Wohnzimmer. Im Winter war es so kalt in der Küche und im Schlafzimmer, dass man bequem hätte auch Eis produzieren können. Bekommen habe ich diese Wohnung, weil ich dem Vermieter so sympathisch war. Eine Entspannung des Marktes trat erst nach Mauerfall, diversen Wohnbauprogrammen und Sanierung von Altbestand ein. Aber wie es nun einmal so ist. Berlin ist wie ein lebendiger Organismus: Wurde auf der einen Seite aufgebaut, begann an der anderen Seite der Zerfall. Das Ergebnis sehen wir heute. Der soziale Wohnungsbau ist quasi abgeschafft, viele landeseigene Wohnbaugesellschaften wurden verkauft und die noch verbliebenen Gesellschaften wurden zu einem marktüblichen Handeln gezwungen, d.h. Mieter raus, Mieten hoch. Wo bleiben da die Menschen in Berlin, die gerne in ihrem Kiez bleiben wollen, aber nicht mehr das Geld für Ihre vielleicht nunmehr luxussanierte Wohnung aufbringen können? Oder aufgrund von Arbeitsverlust oder zu geringem Einkommen die Miete der alten Wohnung nicht bezahlen können? Wo bleiben die Menschen, die jetzt vielleicht bereits wohnungslos sind? Einkommensschwache Familien, Alleinerziehende, Migrant/innen…? Die Makler der Stadt wissen die Antwort, das konnte man ja vor kurzen in der Morgenpost nachlesen, es gibt keinen Anspruch auf eine Wohnung in einem Innenstadtbezirk, wer die Miete nicht zahlen kann, der muss halt an den Rand. Geht auch, viele andere Metropolen der Welt zeigen, wie das geht, ein schönes Beispiel ist Paris, gar nicht so weit weg von Berlin. Die Frage ist, wer will da wohnen? Will Berlin tatsächlich eine Art Ghetto haben mit all den daraus entstehenden Problemen? Noch besteht in vielen Bezirken ein ausgewogenes und durchmischtes Milieu, aber wie lange noch? Es muss schnell gehandelt werden, die Diakonie fordert daher:
- Bei Wohnungen, deren Errichtung mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde und die daher zu einem niedrigen Mietzins angeboten werden, müssen die Belegungsbindungen neu konkretisiert werden, damit z.B. alleinerziehende Geringverdienerhaushalte diese Wohnung auch bekommen können.



