Geheimakte Schwimmbad
Was Senat und Investor bei der Privatisierung des SEZ aushandelten, bleibt unter Verschluss
Im Zuge seiner „Haushaltskonsolidierungspolitik“ verscherbelte der rot-rote Senat 2003 das stillgelegte Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain an einen privaten Investor. Dieser sollte, so lautete das Versprechen, die einzelnen Bereiche sanieren und das Schwimmbad wieder eröffnen. Doch das Projekt kommt seit der Privatisierung nicht voran. Der Gebäudekomplex steht zur Hälfte leer und ein Schwimmbetrieb ist kaum vorhanden. Was der Investor mit dem SEZ machen darf und was nicht, steht im Privatisierungsvertrag, doch dieser wird geheim gehalten. Kritiker/innen der Privatisierung fordern nun die Offenlegung des Vertrags und die Rekommunalisierung des SEZ.
Der 1981 eröffnete Gebäudekomplex an der Kreuzung Landsberger Allee/Danziger Straße in Friedrichshain galt wegen seines Sport-, Freizeit- und Kulturangebots einst als Prestigeprojekt der DDR. Nach der Wiedervereinigung ließ der Berliner Senat das SEZ zunehmend verfallen und Ende 2002 stellten die Berliner Bäderbetriebe den Betrieb ein. Das SEZ wurde daraufhin dem landeseigenen Liegenschaftsfonds zur Verwertung übertragen. Im Juli 2003 gab der Senat bekannt, dass er auf Vorlage von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) beschlossen habe, das SEZ zum Preis von einem symbolischen Euro an die Poseidon GmbH des Leipziger Geschäftsmanns Rainer Löhnitz zu verkaufen. Der Investor werde „in den nächsten Monaten (...) sukzessive die einzelnen Bereiche der Anlage eröffnen und bis 2008 den Schwimmbereich umbauen“, erklärte der Senat damals. Zudem habe der Senat seine Zustimmung zum Verkauf an „eine feste Zusage des Investors für eine Wiedereröffnung des Schwimmbereichs geknüpft“. Vertraglich sei festgelegt, dass innerhalb von „maximal fünf Jahren“ die Schwimmhalle zum modernen, familienfreundlichen Spaßbad umgebaut“ werde. Geplant seien zudem „die Renovierung des Badebereichs, die Erweiterung um einen umfangreichen Flachwasserbereich für Kleinkinder und eine große Rutschanlage“. Ausschlaggebend für die Entscheidung, an den Investor Löhnitz zu verkaufen, soll ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gewesen sein. Das Gutachten soll Löhnitz ein solides wirtschaftliches Konzept und sichere Bankbürgschaften bescheinigt haben.
Sand statt Wasser
Doch ob der Investor jemals den vom Senat versprochenen Betrieb des SEZ bieten kann, darf bezweifelt werden. Insbesondere um den Badebetrieb ranken sich einige Unklarheiten. In einer Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine parlamentarische Anfrage vom 7. Juni 2005 hieß es noch: „Für den Fall, dass der Hallenbadbetrieb nicht bis zum 31.12.2007 aufgenommen wird, ist eine Vertragsstrafe vorgesehen“. Das bedeutet allerdings nicht, dass in dem wiederbelebten Hallenbad auch ein Schwimmbetrieb stattfinden muss. Zumindest lautet so die etwas merkwürdige Auffassung des Senats dazu, dass die Schwimmbecken Ende 2007 noch mit Sand gefüllt waren und als Beachvolleyball-Flächen dienten, denn am 22. November 2007 teilte die Finanzverwaltung mit: „Der Eigentümer (...) hat im Kaufvertrag die Verpflichtung übernommen, den Hallenbadbetrieb im Rahmen eines vom Käufer zu erstellenden und mit dem Verkäufer abzustimmenden Energie- und Wirtschaftlichkeitskonzepts bis zum 31.12.2007 wieder aufzunehmen. Es besteht nicht die Pflicht, das Hallenbad in dem ursprünglichen Umfang zu betreiben“. Knapp drei Jahre später im Juni 2010 ließ die Finanzverwaltung verlautbaren, es gebe zwar einige Bademöglichkeiten innerhalb des ehemaligen Hallenbadbereichs und einen kleinen „Außenpool“, aber „wann mit dem Betrieb eines Hallenbads gerechnet werden kann, ist nicht absehbar“.



