Touristen als Nachbarn
Günstige Mietwohnungen verschwinden, die Gentrifizierung nimmt zu
Im Wettbewerb um Touristen aus aller Welt sprießen Hotels, Hostels und Ferienwohnungen in angesagten Berliner Stadtteilen aus dem Boden. Bewohner/innen „touristifizierter“ Kieze zeigen sich zunehmend genervt von der damit einhergehenden Lärmbelästigung und der Verschmutzung des öffentlichen Raums. Bei Ferienwohnungen wird oftmals Wohnraum zur Unterbringung der Hauptstadtgäste (illegal) umgenutzt, was angesichts des immer knapper werdenden Angebots insbesondere kleiner Wohnungen die Mieten steigen lässt.
Während der Geschäftsführer der
Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM)
, Burkhard Kieker, angesichts des öffentlichen Drucks abwiegelt und verlauten lässt, Touristenströme ließen sich in einer Weltstadt wie Berlin nun einmal nicht regulieren, versucht die rot-rote Koalition kurz vor den Wahlen, sich mit der Ankündigung von Gesetzen zur Eindämmung von Ferienwohnungen zu profilieren. So hoffen die Regierenden, ihre wohnungspolitische Untätigkeit kaschieren zu können, indem sie die Wiedereinführung des Zweckentfremdungsverbots in denjenigen Stadtteilen erwägen, in denen sich die Umnutzung von Wohnraum in Ferienappartements häuft.
Ferienwohnungsparadies Kreuzberg
Beim Thema Ferienwohnungen fällt der Blick schnell auf Kreuzberg. Kein anderer Stadtteil steht in der Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Tourismusbooms derart im Fokus. Denn nicht erst seit gestern ist das Gebiet zwischen Bergmannstraße und Schlesischem Tor einer der „Places to be“ für Berlinreisende. Wer in den Kreuzberger Kiezen einen erlebnisorientierten Stadturlaub verbringt, will natürlich unweit der angesagtesten Ecken wohnen. Und so wächst neben der Zahl der Hostels auch das Angebot an Ferienwohnungen. Aber was bedeutet es für die Mieter/innen, wenn Touristen zu den neuen Nachbarn im Haus gehören? Martin Breger von der Mieten-AG im Graefekiez (siehe
MieterEcho Nr. 342, August 2010
, S. 23) beschäftigt seit einiger Zeit mit dem Thema. Es sei keinesfalls der Fall, dass es plötzlich nur noch Ferienwohnungen geben würde, so Breger. Und auch diejenigen Anwohner/innen, die erwirkt haben, dass die allabendlich von trinkenden Touristen und Straßenmusikern belagerte Admiralbrücke immer um 22 Uhr polizeilich geräumt wird, seien nicht das beste Beispiel für einen angemessenen Umgang mit dem Problem Tourismus. Denn in Kreuzberg sei es nun mal schon immer so gewesen, dass die Nachtruhe nicht jeden Abend pünktlich um 22 Uhr beginnt – auch ohne Touristen. Dass sich Ferienwohnungen und Tourismus in geballter Form aber ganz eindeutig zur Belastung von Mieter/innen entwickelt haben, das sei sicher der Fall. Beispielsweise berichten Mieter/innen aus Häusern, in denen Ferienwohnungen angeboten werden, von steigenden Betriebskosten. Die Kurzzeitgäste buchen die Wohnungen zum Pauschalpreis – sparsamer Energie- oder Wasserverbrauch spielt für sie also keine Rolle.



