Die Genossenschaft Möckernkiez möchte auf dem Berliner Gleisdreieckgelände „ein einzigartiges Modellprojekt verwirklichen: Eine gemeinschaftliche und Generationen verbindende Wohnanlage, die ökologisch, nachhaltig, barrierefrei und sozial ist.“ Wie weit das noch gelingen kann, ist fraglich.
Von Elisabeth Voß
Die Idee wurde 2007 aus der Kreuzberger SPD heraus entwickelt. Im Herbst warb der Sozialdemokrat Ulrich Haneke mit der von ihm gegründeten Initiative Möckernkiez erstmals auf einem Straßenfest für die Beteiligung an einem gemeinschaftliches Wohnprojekt, mit dem Slogan „Anonyme Investoren oder WIR?“ Das fiel auf fruchtbaren Boden. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beauftragte im März 2008 mit den Stimmen aller Parteien das Bezirksamt, sich für das Modellprojekt einzusetzen. Kurz darauf wurde der gemeinnützige Verein Möckernkiez gegründet, um „sozialen Zusammenhalt und Engagement im Kiez rund um den Gleisdreieck-Park nachbarschaftlich zu fördern“.An Versammlungen, Diskussionsrunden und Planungswerkstätten beteiligten sich hunderte Menschen, und am 17. Mai 2009 wurde die Möckernkiez Genossenschaft gegründet, um ein ganzes Stadtquartier zu bauen. Im Sommer 2010 erwarb die Genossenschaft für etwa 8 Millionen Euro aus eigenen Mitteln ein 3 Hektar großes Baufeld in bester Kreuzberger Lage auf dem Gleisdreieckgelände. Dort soll mit 464 Wohnungen und 20 Gewerbeeinheiten, einer Kita und einem Hotel, Berlins größtes Passivhaus-Projekt entstehen.Dass hohe ökologische Ansprüche und durchgängige Barrierefreiheit nicht für kleines Geld zu haben sind, ist bereits frühzeitig klar. Die Genossenschaft muss das erforderliche Eigenkapital durch Einlagen ihrer Mitglieder aufbringen, um einen Bankkredit beantragen zu können. Anfangs wurde optimistisch mit 2.000 Euro Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche gerechnet, und einer Eigenkapitalfinanzierung von 30 Prozent. Im Dezember 2012 wurde beides nach oben korrigiert, so dass sich die Mitglieder pro Quadratmeter Wohnfläche mit einer Einlage von 920 Euro beteiligen müssen. Der Traum von gemeinschaftlichem Wohnen, mitten in der Stadt und direkt am Park, wurde mit einem monatlichen Nutzungsentgelt von – je nach Lage – etwa 7 bis 11 Euro nettokalt kalkuliert. Durch einige Freundeskreise und politische Initiativen ging ein Riss, wenn sich die einen in die Genossenschaft einkaufen konnten, andere draußen bleiben mussten. Manche hofften auf die sozialen Ansprüche, denn anfangs war geplant, auch weniger gut Betuchte einzubeziehen.




