In diesen Corona-Zeiten sollen alle möglichst zu Hause bleiben, Abstand zu anderen halten und auf Hygiene achten, vor allem sich regelmäßig die Hände waschen. Für Menschen ohne eigene Wohnung ist all dies jedoch nicht möglich. Sie sind darum besonders davon bedroht, sich zu infizieren und dann auch andere anzustecken.
Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) wies in einer Videobotschaft am 27. April 2020 darauf hin, dass diejenigen, die auf der Straße leben müssen, immer weniger Unterstützung finden: „Obdachlose Menschen erhalten keine Spenden mehr, und wenn wir sagen ‚Bleibt zu Hause‘, dann klingt es für obdachlose Menschen wie ein Hohn, denn sie haben kein Zuhause.“ Am 29. April diskutierte die Senatorin in einer Online-Veranstaltung des Bündnis #LeaveNoOneBehindNowhere zum Thema „Soforthilfe für wohnungslose Menschen“. Die Veranstaltung wurde mit dem Konferenztool Zoom auf Facebook und YouTube übertragen.
Das Bündnis setzt sich zusammen aus dem AK Wohnungsnot, der Berliner Obdachlosenhilfe, dem Bündnis Solidarische Stadt, dem Flüchtlingsrat Berlin und We’ll Come United Berlin und Brandenburg. Am 23. April veröffentlichte es in einem Offenen Brief an den Berliner Senat einen „10 Punkte Soforthilfeplan“ zur Unterbringung und zum Schutz wohnungsloser Menschen. Es erklärt sich gleichzeitig „solidarisch mit den Geflüchteten in den unmenschlichen Lagern an den europäischen Außengrenzen, die sofort evakuiert werden müssen“. Fast 70 Organisationen und Initiativen haben als Unterstützer*innen unterzeichnet. Betroffene, Ehrenamtliche, Beschäftigte und Verbandsvertreter*innen haben sich zusammengetan, um die Situation von Wohnungslosen mit und ohne Migrationsgeschichte zu verbessern.
Bündnis fordert Soforthilfeplan für Wohnungslose Nach Angaben des Bündnisses sind in Berlin mindestens 50.000 wohnungslose Menschen in Sammelunterkünften untergebracht, viele Tausend leben auf der Straße. Statt Sammelunterkünften fordert das Bündnis Plätze in Ferienwohnungen, Businessapartements oder Hotels, und die Lagerpflicht für Geflüchtete aufzuheben. Grundsätzlich müsse bezahlbare Wohnraum für alle zur Verfügung stehen. Kältehilfeeinrichtungen – die am 1. Mai schließen müssen – sollen offen bleiben, so lange sie gebraucht werden. Statt ganze Einrichtungen unter Quarantäne zu stellen, müsse individuelle Quarantäne ermöglicht werden. Ein Krisenstab soll Lösungsstrategien entwickeln und die Betroffenen einbeziehen.



